Rund 300.000 GebĂ€ude in Deutschland liegen in einem amtlich ausgewiesenen Ăberschwemmungsgebiet â und das sind nur jene, die bei einem statistisch hundertjĂ€hrigen Hochwasser (HQ100) betroffen wĂ€ren. Wie viele HĂ€user durch Starkregenereignisse gefĂ€hrdet sind, die auĂerhalb dieser Zonen auftreten können, ist noch schwerer zu beziffern. Der Klimawandel verĂ€ndert die Rahmenbedingungen fĂŒr Immobilien auf mehreren Ebenen gleichzeitig: bei Lage und Wert, bei Betriebskosten und Versicherbarkeit, bei gesetzlichen Anforderungen und Fördermöglichkeiten.
Lagerisiken: Was amtliche Karten zeigen
FĂŒr die Bewertung einer Immobilie nach der Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV) ist die Lage eines der zentralen Wertparameter. Klimabedingte Risiken flieĂen dabei zunehmend in die EinschĂ€tzung ein. GutachterausschĂŒsse verweisen in ihren Marktberichten inzwischen ausdrĂŒcklich auf Hochwasserkarten der BundeslĂ€nder; in einigen Regionen wurden nach den Flutkatastrophen von 2021 deutliche PreisabschlĂ€ge fĂŒr Lagen im Ăberflutungsbereich dokumentiert. Wer eine Immobilie kauft oder beleiht, sollte prĂŒfen, ob das GrundstĂŒck im HQ100-Gebiet liegt â diese Information ist in den meisten BundeslĂ€ndern kostenlos ĂŒber offizielle Geoportale abrufbar.
Starkregen und Ăberflutung sind allerdings nicht das einzige Lagerisiko. Hitzeinseleffekte in dicht besiedelten Stadtquartieren, zunehmende Trockenheit mit Auswirkungen auf Bodentypen und Grundwasserspiegel sowie Hangrutschungen in exponierten Gebirgsgemeinden zĂ€hlen ebenfalls dazu. Versiegelung im nĂ€heren Umfeld verstĂ€rkt Abflussspitzen und kann auch GrundstĂŒcke auĂerhalb klassischer Risikogebiete betreffen.
Versicherung: Steigende PrÀmien, enger werdende Bedingungen
Elementarschadenversicherungen decken SchĂ€den durch Ăberschwemmung, Erdrutsch und RĂŒckstau ab â sind aber freiwillig und werden von rund einem Viertel der deutschen Haushalte nicht abgeschlossen. Versicherer kategorisieren GebĂ€ude nach ZĂRS-Zonen (1 bis 4), wobei Zone 4 regelmĂ€Ăig ĂŒberflutungsgefĂ€hrdet bedeutet. In diesen Lagen ist entweder gar kein Versicherungsschutz mehr erhĂ€ltlich oder die JahresprĂ€mie liegt deutlich ĂŒber dem bundesweiten Durchschnitt von rund 100 bis 250 Euro. Nach dem Ahrtal-Hochwasser 2021 haben mehrere Gesellschaften ihre Risikomodelle ĂŒberarbeitet; einzelne Anbieter haben sich aus bestimmten Postleitzahlgebieten zurĂŒckgezogen. Ein unversichertes GebĂ€ude in einem Risikogebiet hat nicht nur ein Schadensrisiko â es ist schlicht schwerer zu verkaufen.
Betriebskosten: Der COâ-Preis als struktureller Faktor
Neben Lagerisiken verschiebt der Klimawandel die laufenden Betriebskosten. Der COâ-Preis auf fossile Brennstoffe â seit 2021 im nationalen Emissionshandel verankert â lag Anfang 2024 bei 45 Euro je Tonne COâ und soll bis 2026 auf mindestens 55 bis 65 Euro steigen; danach greift ein Korridor, der sich weiter nach oben öffnen kann. Konkret bedeutet das fĂŒr ein unsaniertes Einfamilienhaus mit einem Endenergiebedarf von 180 kWh/(mÂČa), einer WohnflĂ€che von 130 mÂČ und einer Gasheizung: Der jĂ€hrliche Gasverbrauch liegt bei rund 23.400 kWh. Ein COâ-Preis von 65 Euro entspricht dabei einem Aufschlag von etwa 12 Cent pro Kilowattstunde Gas â zusĂ€tzlich zum eigentlichen Gaspreis. Hochgerechnet bedeutet das rund 280 Euro mehr pro Jahr allein durch den COâ-Aufschlag gegenĂŒber einem Preis von 30 Euro je Tonne. Ăber zehn Jahre und bei weiter steigendem Preis ergibt sich fĂŒr solche GebĂ€ude eine erhebliche Mehrbelastung, die bei der Kaufentscheidung eingepreist werden sollte.
Energetische Anforderungen: GEG, BEG und der Sanierungsdruck
Das GebĂ€udeenergiegesetz (GEG) verknĂŒpft seit 2023 die Anforderungen an Neubauten und den Heizungstausch ausdrĂŒcklich mit dem Ziel der KlimaneutralitĂ€t bis 2045. Wer eine Heizung austauscht, muss kĂŒnftig 65 Prozent erneuerbare WĂ€rme nachweisen. FĂŒr unsanierte GebĂ€ude steigt damit der Druck, den Endenergiebedarf zu senken â denn eine WĂ€rmepumpe rechnet sich nur dann verlĂ€sslich, wenn das Haus gut gedĂ€mmt ist und die Vorlauftemperatur niedrig gehalten werden kann. Die Bundesförderung fĂŒr effiziente GebĂ€ude (BEG) ĂŒber die KfW und das BAFA unterstĂŒtzt SanierungsmaĂnahmen mit ZuschĂŒssen von bis zu 70 Prozent der förderfĂ€higen Kosten; die genaue Förderquote richtet sich nach Effizienzhaus-Stufe, Einkommensgrenze und Sanierungsfahrplan. Diese Zahlen können sich Ă€ndern, da das Programm regelmĂ€Ăig angepasst wird â eine PrĂŒfung beim aktuellen KfW-Merkblatt vor Antragstellung ist unerlĂ€sslich.
Klimatische VerĂ€nderungen wirken hier indirekt: Steigende Sommerhitzephasen erhöhen den KĂŒhlbedarf, der in den klassischen Heizgradtagen noch nicht abgebildet wird. Neuere Bewertungsmodelle berĂŒcksichtigen zunehmend auch den sommerlichen WĂ€rmeschutz als QualitĂ€tsmerkmal.
Was EigentĂŒmer konkret prĂŒfen sollten
Wer eine Immobilie besitzt oder kaufen möchte, kann folgende Punkte systematisch abarbeiten:
- Hochwasser und Starkregen: Lage im HQ100-Gebiet ĂŒber das Geoportal des jeweiligen Bundeslandes prĂŒfen; ZĂRS-Zone beim Versicherer anfragen.
- BodenverhĂ€ltnisse: Altlasten, Bodentyp und VersickerungsfĂ€higkeit beeinflussen das Starkregenpotenzial â Informationen beim Gutachterausschuss oder ĂŒber das ALKIS-Register.
- Endenergiebedarf: Ein aktueller Energieausweis gibt Auskunft ĂŒber den Energieverbrauch; ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) zeigt Schritt-fĂŒr-Schritt-MaĂnahmen auf.
- COâ-Kosten: Bei Gasheizung den jĂ€hrlichen Verbrauch mit dem aktuellen COâ-Preis multiplizieren, um die Zusatzbelastung abzuschĂ€tzen.
- Versicherbarkeit: Vor dem Kauf Elementarschadenversicherung anfragen â eine Ablehnung ist ein klares Warnsignal.
Klimawandel und Verkehrswert: Langfristige Perspektive
Der Verkehrswert einer Immobilie spiegelt zum Bewertungsstichtag alle wertrelevanten Faktoren wider â nach ImmoWertV ausdrĂŒcklich auch LageverhĂ€ltnisse und Umweltrisiken. Dass Klimarisiken die Wertentwicklung beeinflussen, zeigen erste Studien: HĂ€user in Hochrisikogebieten verzeichneten nach dem Hochwasser 2021 teils PreisabschlĂ€ge von zehn bis 25 Prozent. Ob und wie stark dieser Effekt eintritt, hĂ€ngt vom lokalen Markt ab. Fakt ist: Ein saniertes GebĂ€ude mit niedrigem Endenergiebedarf, auĂerhalb von Ăberschwemmungszonen und mit gutem sommerlichem WĂ€rmeschutz, ist strukturell besser fĂŒr die kommenden Jahrzehnte aufgestellt als ein unsaniertes GebĂ€ude in Risikolage.
FĂŒr eine konkrete EinschĂ€tzung der eigenen Immobilie â Lage, Energieprofil, Solarpotenzial und erste Hinweise auf Risikofaktoren â liefert das HausDossier eine auf amtlichen Daten basierende Ăbersicht fĂŒr die eigene Adresse.
Wie klimasensibel ist Ihre Immobilie?
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