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ENERGIE & KLIMA

Warum der CO₂-Preis steigt — und was das fĂŒrs Heizen bedeutet

· HausDossier Redaktion · 5 Min. Lesezeit

45 Euro pro Tonne CO₂: So hoch lag der nationale CO₂-Preis in Deutschland zum Jahresbeginn 2024 — und er wird weiter steigen. Wer mit Gas oder Öl heizt, zahlt diesen Aufschlag bereits heute direkt ĂŒber die Energierechnung, ohne es zwingend auf der Abrechnung zu sehen. Denn der Preis ist in den Gaspreis eingerechnet, nicht separat ausgewiesen. Das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) schreibt den Pfad gesetzlich fest, und der nĂ€chste Anstieg kommt.

Was der CO₂-Preis ist und warum er existiert

Deutschland hat 2021 einen nationalen Emissionshandel fĂŒr die Sektoren WĂ€rme und Verkehr eingefĂŒhrt. Energielieferanten mĂŒssen fĂŒr jede Tonne CO₂, die beim Verbrennen ihrer Produkte entsteht, ein Zertifikat erwerben. Diese Kosten geben sie an die Endverbraucher weiter. Der Mechanismus soll fossile EnergietrĂ€ger schrittweise teurer machen, bis sich Investitionen in klimafreundliche Alternativen auch ohne staatliche ZuschĂŒsse rechnen. Der Preis war zunĂ€chst politisch festgelegt (25 Euro/t in 2021), soll aber ab 2026 in einen echten Marktmechanismus mit Preiskorridor ĂŒberfĂŒhrt werden, dessen Untergrenze anfangs bei 55 Euro/t liegt.

Der festgelegte Pfad nach aktuellem Stand:

  • 2024: 45 Euro pro Tonne CO₂
  • 2025: 55 Euro pro Tonne CO₂
  • ab 2026: Marktpreisbereich mit Preiskorridor (55–65 Euro/t als Einstieg geplant)

Angaben zu konkreten Folgepreisen ab 2027 sind politisch noch nicht endgĂŒltig fixiert — die tatsĂ€chliche Entwicklung hĂ€ngt vom Marktgeschehen und möglichen Gesetzesanpassungen ab.

Was der Anstieg bei Gas und Öl konkret kostet

Erdgas enthĂ€lt je nach QualitĂ€t rund 0,2 kg CO₂ pro Kilowattstunde Brennwert. Bei einem Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 15.000 kWh Gas entspricht das etwa 3.000 kg CO₂ — also 3 Tonnen. Bei 45 Euro/t bedeutet das einen CO₂-Anteil von rund 135 Euro im Jahr. Steigt der Preis auf 55 Euro/t, sind es 165 Euro — eine Differenz von 30 Euro pro Jahr, die auf den ersten Blick gering wirkt. Erreicht der Preis langfristig die in Szenarien diskutierten 100 Euro/t, wĂ€ren es bereits 300 Euro allein fĂŒr den CO₂-Anteil, also mehr als das Doppelte des heutigen Niveaus.

Heizöl trifft es noch stĂ€rker: Öl enthĂ€lt etwa 0,27 kg CO₂ pro kWh Heizwert. Wer 1.500 Liter Heizöl pro Jahr verbraucht (entspricht rund 14.000 kWh), zahlt heute schon rund 170 Euro CO₂-Preis im Jahr — Tendenz steigend.

Das Rechenbeispiel: Gas-Einfamilienhaus, Baujahr 1975

Ein unsaniertes Einfamilienhaus mit 140 mÂČ WohnflĂ€che, gebaut vor der WĂ€rmeschutzverordnung 1977, hat nach GEG-Referenzwerten einen typischen Endenergiebedarf von etwa 200 kWh pro Quadratmeter und Jahr — macht 28.000 kWh Gasverbrauch jĂ€hrlich. Der CO₂-Anteil belĂ€uft sich 2024 auf rund 252 Euro (28.000 kWh × 0,2 kg/kWh × 45 €/t). Bei 55 Euro/t im Jahr 2025 sind es bereits 308 Euro, bei 100 Euro/t wĂ€ren es 560 Euro — ausschließlich fĂŒr den CO₂-Aufschlag, ohne den Basisgaspreis. Saniert man die GebĂ€udehĂŒlle auf KfW-Effizienzhaus-85-Niveau, sinkt der Bedarf auf rund 100 kWh/mÂČa, der jĂ€hrliche CO₂-Anteil halbiert sich entsprechend. Die Sanierungskosten fĂŒr eine vollstĂ€ndige DĂ€mmung liegen je nach Ausgangszustand zwischen 40.000 und 120.000 Euro — bei BEG-Förderung durch BAFA/KfW von bis zu 35 Prozent (Stand 2024, Änderungen möglich) sind es netto 26.000 bis 78.000 Euro. Die Amortisation ĂŒber eingesparte Energiekosten liegt bei solchen Projekten typischerweise zwischen 15 und 30 Jahren, abhĂ€ngig davon, wie stark der CO₂-Preis tatsĂ€chlich steigt.

Wer die Kosten trĂ€gt — und wie das GEG eingreift

Seit dem 1. Januar 2023 teilen sich Vermieter und Mieter den CO₂-Preis anteilig nach Energieeffizienzklasse des GebĂ€udes. Bei einem schlechten GebĂ€ude (Klasse H oder schlechter) trĂ€gt der Vermieter bis zu 95 Prozent der CO₂-Kosten — ein direkter finanzieller Anreiz zur Sanierung. EigentĂŒmer, die selbst bewohnen, tragen den Anteil vollstĂ€ndig allein. Das GebĂ€udeenergiegesetz (GEG) schreibt zudem vor, dass neu eingebaute Heizungen ab 2024 zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden mĂŒssen. Ein reiner Gas-Brennwertkessel erfĂŒllt diese Anforderung in aller Regel nicht mehr — außer er wird mit einer Solar-Hybridlösung oder Biomethananteil kombiniert, was die Installationskosten erhöht.

Was das fĂŒr unterschiedliche Heizsysteme bedeutet

Die Auswirkungen des CO₂-Preises sind je nach Heizsystem sehr unterschiedlich:

  • Erdgas-Brennwertkessel: Direkt betroffen, ca. 0,2 kg CO₂/kWh — jede Preissteigerung schlĂ€gt unmittelbar durch.
  • Heizöl: Noch stĂ€rker betroffen (0,27 kg CO₂/kWh), zudem AbhĂ€ngigkeit von Öl-Weltmarktpreisen.
  • WĂ€rmepumpe (Luft-Wasser oder Sole-Wasser): Kein CO₂-Preis auf Strom ĂŒber das BEHG — aber Strompreis bleibt ein relevanter Faktor. Bei steigendem Anteil erneuerbarer Energien sinkt die CO₂-IntensitĂ€t des Strommixes weiter.
  • FernwĂ€rme: AbhĂ€ngig vom WĂ€rmemix des Anbieters; FernwĂ€rme aus fossilen Quellen ist ebenfalls CO₂-bepflichtet, der Preisanteil wird aber vom Anbieter kalkuliert und nicht einzeln ausgewiesen.
  • Holzpellets: Aktuell weitgehend vom BEHG ausgenommen, da Biomasse als klimaneutral gilt — politisch aber nicht dauerhaft garantiert.

Wann lohnt eine Heizungsmodernisierung?

Die ehrliche Antwort lautet: Das hĂ€ngt von der GebĂ€udehĂŒlle ab, nicht nur von der Heizung. Eine WĂ€rmepumpe arbeitet effizient, wenn die Vorlauftemperatur niedrig gehalten werden kann — das gelingt nur bei ausreichend gedĂ€mmten WĂ€nden, Dach und Fenstern sowie einer FlĂ€chenheizung oder zumindest niedertemperaturtauglichen Heizkörpern. Wer zuerst die Heizung tauscht und danach die HĂŒlle saniert, riskiert, ein fĂŒr das GebĂ€ude unterdimensioniertes System zu erhalten. Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP), gefördert durch BAFA, hilft dabei, die sinnvolle Reihenfolge festzulegen. Er berĂŒcksichtigt den Ist-Zustand des GebĂ€udes und gibt eine priorisierte Maßnahmenfolge vor.

Wo das HausDossier ansetzt

Bevor man Angebote einholt oder Fördermittel beantragt, hilft ein Blick auf die objektbezogenen Ausgangsdaten: Welches Baujahr, welche GebĂ€udehĂŒlle, welcher rechnerische Energiebedarf? Das HausDossier zieht dafĂŒr amtliche Geodaten — darunter 3D-GebĂ€udedaten, Katasterdaten und Klimaparameter — zusammen und zeigt, wie Ihre Immobilie energetisch einzuordnen ist. Das ist kein Energieausweis, aber eine belastbare Grundlage, um die eigene Situation realistisch einzuschĂ€tzen, bevor man mit einem Energieberater oder Handwerksbetrieb spricht.

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