Freiburg im Breisgau kommt auf rund 1.800 Sonnenstunden pro Jahr, Hamburg auf knapp 1.600 â ein Unterschied von fast 13 Prozent, der sich direkt in SolarertrĂ€gen und Heizkosten niederschlĂ€gt. Wer ĂŒber eine Photovoltaikanlage, eine WĂ€rmepumpe oder eine energetische Sanierung nachdenkt, kommt am lokalen Klima nicht vorbei. Doch die meisten Energieberechnungen arbeiten mit deutschlandweiten Durchschnittswerten statt mit den tatsĂ€chlichen Klimadaten des Wohnorts.
Was Klimadaten mit Ihrem Haus zu tun haben
Das Klima am Wohnort beeinflusst drei wesentliche Kostentreiber: den Heizenergiebedarf im Winter, den KĂŒhlbedarf im Sommer und den potenziellen Solarertrag ĂŒber das Jahr. Diese drei GröĂen stehen in direktem Zusammenhang â ein sonnenreicher Standort hat in der Regel mehr Heizgradtage im Winter und mehr Hitzetage im Sommer als ein bewölkter KĂŒstenstandort. Die AbwĂ€gung ist also komplexer als ein einfaches "viel Sonne = gut".
FĂŒr die Bewertung einer Immobilie nach ImmoWertV spielen Klimaeigenschaften zwar keine formale Rolle, aber fĂŒr die laufenden Betriebskosten sind sie entscheidend. Das GebĂ€udeenergiegesetz (GEG) schreibt seit 2023 vor, dass bei Neubauten und gröĂeren Sanierungen der PrimĂ€renergiebedarf nachgewiesen werden muss â Grundlage dafĂŒr sind immer Klimazonenwerte der jeweiligen Region.
Sonnenstunden und Globalstrahlung: zwei verschiedene GröĂen
Sonnenstunden beschreiben, wie lange die Sonne tĂ€glich ĂŒber einem bestimmten Schwellenwert (meist 120 W/mÂČ) scheint. Die Globalstrahlung ist die energetisch relevantere GröĂe: Sie misst die gesamte auf eine horizontale FlĂ€che auftreffende Strahlungsenergie in kWh pro Quadratmeter und Jahr. Deutschland liegt je nach Region zwischen etwa 950 kWh/mÂČ (Norddeutschland) und 1.250 kWh/mÂČ (SĂŒdbayern, Oberrheingraben).
FĂŒr Photovoltaikanlagen und Solarthermie ist die Globalstrahlung die PlanungsgröĂe schlechthin. Die europĂ€ische Datenbank PVGIS, betrieben von der EU-Forschungsstelle JRC, stellt ortsaufgelöste Strahlungsdaten frei zur VerfĂŒgung. Eine Anlage in MĂŒnchen erzielt bei gleicher Auslegung und Ausrichtung gut 10â15 Prozent mehr Jahresertrag als dieselbe Anlage in Bremen.
Frosttage, Heiztage und der Energiebedarf
Als Frosttag gilt ein Tag, an dem die Temperatur unter 0 °C fĂ€llt. In Freiburg sind das statistisch etwa 45 Tage pro Jahr, in Berlin rund 65, im AllgĂ€u ĂŒber 80. Heizgradtage â die Summe der Gradunterschiede zwischen Raumtemperatur (20 °C) und Tagesmitteltemperatur an Heiztagen â sind noch aussagekrĂ€ftiger: Sie korrelieren direkt mit dem Heizenergiebedarf eines GebĂ€udes.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) weist fĂŒr den Standort MĂŒnchen-Stadt rund 3.600 Heizgradtage pro Jahr aus, fĂŒr Hamburg etwa 3.300, fĂŒr Garmisch-Partenkirchen ĂŒber 4.700. Ein Haus mit identischer DĂ€mmung und gleichem Volumen verbraucht in Garmisch rechnerisch rund 40 Prozent mehr Heizenergie als dasselbe Haus in Hamburg â allein wegen des Standorts.
Ein konkretes Rechenbeispiel: PV-Ertrag und Amortisation
Ein Einfamilienhaus in Stuttgart installiert 10 kWp Photovoltaik. Die Globalstrahlung am Standort betrĂ€gt 1.150 kWh/mÂČ pro Jahr, der Systemwirkungsgrad (Modulverluste, Wechselrichter, Leitungen) liegt bei 80 Prozent.
- Jahresertrag: 10 kWp Ă 1.150 kWh/mÂČ Ă 0,80 = 9.200 kWh/Jahr
- Eigenverbrauch (angenommen 40 %): 3.680 kWh Ă 0,28 âŹ/kWh = 1.030 ⏠Einsparung
- Einspeisung (60 %): 5.520 kWh Ă 0,082 âŹ/kWh (EinspeisevergĂŒtung nach EEG 2023, Stand 2024) = 453 âŹ
- Gesamtjahresvorteil: rund 1.480 âŹ
- Anlagenkosten (Richtwert 2024): ca. 12.000â14.000 ⏠brutto
- Amortisation: etwa 8â9 Jahre
WĂŒrde dieselbe Anlage in Kiel statt Stuttgart stehen (Globalstrahlung ca. 1.000 kWh/mÂČ), sĂ€nke der Jahresertrag auf rund 8.000 kWh â der Jahresvorteil auf etwa 1.280 âŹ, die Amortisation verlĂ€ngert sich auf gut 10 Jahre. Förder- und Preisniveaus Ă€ndern sich regelmĂ€Ăig; die BEG-Förderprogramme der KfW sowie BAFA-ZuschĂŒsse sind gesondert zu prĂŒfen.
Hitzetage: das unterschÀtzte Komfortproblem
Als Hitzetag gilt ein Tag mit einer Höchsttemperatur ĂŒber 30 °C. WĂ€hrend Norddeutschland 2022 auf 10â15 Hitzetage kam, verzeichneten Teile des Rheingrabens und der Rheinpfalz ĂŒber 30 solcher Tage. Das hat praktische Konsequenzen: GebĂ€ude ohne baulichen Sonnenschutz oder ausreichende WĂ€rmespeichermasse heizen sich stark auf.
Die Anzahl der Hitzetage nimmt laut DWD-Klimaprojektionen bis 2050 in fast allen deutschen Regionen zu, in SĂŒddeutschland deutlicher als im Norden. Wer heute baut oder saniert, sollte das bei FensterflĂ€chen, Verschattungskonzepten und der Auslegung einer eventuellen Klimatisierung berĂŒcksichtigen. Eine aktive KĂŒhlung erhöht den Strombedarf erheblich â je nach Standort und GebĂ€udetyp zwischen 500 und 2.000 kWh pro Jahr zusĂ€tzlich.
Klimadaten als Planungsgrundlage
Die Kombination aus Sonnenstunden, Globalstrahlung, Heizgradtagen und Hitzetagen ergibt ein standortspezifisches Klimaprofil. Dieses Profil beeinflusst:
- die wirtschaftliche Eignung einer Photovoltaikanlage oder Solarthermie
- die Jahresarbeitszahl (JAZ) einer WÀrmepumpe, weil kÀltere Standorte mehr Heizbetriebsstunden verlangen
- den Heizenergiebedarf und damit die Wirtschaftlichkeit energetischer SanierungsmaĂnahmen
- das sommerliche Ăberhitzungsrisiko und den Bedarf an Verschattung
Wer diese Daten kennt, kann realistische Wirtschaftlichkeitsberechnungen anstellen â nicht nur auf Basis von Bundesdurchschnittswerten, sondern bezogen auf die eigene Adresse.
Das HausDossier wertet genau diese Klimakennwerte fĂŒr Ihre Immobilie aus und stellt sie zusammen mit Solarertragsdaten, WĂ€rmepumpen-Eignung und weiteren Lageeigenschaften dar.
Wie ist das Klima an Ihrer Adresse?
Das HausDossier wertet fĂŒr Ihre konkrete Adresse Sonnenstunden, Globalstrahlung und Heizgradtage aus amtlichen Quellen aus â als Grundlage fĂŒr Solarpotenzial, WĂ€rmepumpen-Eignung und Energiebedarf.
