HausDossier
Zurück zum Ratgeber
WÄRMEPUMPE & HEIZUNG

„Wärmepumpen sind viel zu teuer" — nachgerechnet

· HausDossier Redaktion · 4 Min. Lesezeit

20.000 Euro Anschaffungskosten stehen als Zahl schnell im Raum, wenn das Gespräch auf Wärmepumpen kommt. Ohne Kontext klingt das nach einem unüberwindlichen Argument gegen den Umstieg. Der Kontext fehlt aber meist: Was kostet die Alternative über denselben Zeitraum? Was zahlt der Staat dazu? Und was passiert, wenn der CO₂-Preis weiter steigt?

Was eine Wärmepumpe tatsächlich kostet

Die Investitionskosten für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe inklusive Installation lagen 2023 je nach Anlagenleistung und Gebäudesituation zwischen 15.000 und 25.000 Euro. Erdwärmepumpen (Sole-Wasser-Systeme) sind wegen der Tiefenbohrung teurer, oft 25.000 bis 40.000 Euro. Diese Zahlen sind real und nicht kleinzureden. Entscheidend ist aber, was nach Förderung übrig bleibt.

Das Bundesförderprogramm für effiziente Gebäude (BEG) sieht für den Heizungstausch auf eine Wärmepumpe eine Grundförderung von 30 Prozent vor. Wer ein selbst genutztes Gebäude besitzt, das vor 2002 gebaut wurde, bekommt weitere 20 Prozent Klimageschwindigkeitsbonus — macht zusammen 50 Prozent. Hinzu kommt ein Einkommensbonus von 30 Prozent für Haushalte mit unter 40.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen. Die Fördersätze und Obergrenzen ändern sich regelmäßig; aktuell gültige Konditionen veröffentlicht das BAFA auf seiner Website. Anträge laufen seit 2024 über das BAFA-Onlineportal.

Ein konkretes Rechenbeispiel

Angenommen: Einfamilienhaus, Baujahr 1985, 140 Quadratmeter Wohnfläche, bisher Gasheizung. Die Wärmepumpe kostet brutto 18.000 Euro. Mit 50 Prozent BEG-Förderung (Grundbonus + Klimageschwindigkeitsbonus) sinken die Eigenkosten auf 9.000 Euro.

Die alte Gasheizung verbrauchte jährlich 18.000 kWh (Erdgas, Brennwert). Bei einem Gaspreis von 11 Cent pro kWh (Stand Herbst 2024, Haushaltstarif) plus CO₂-Aufschlag ergibt das rund 2.000 Euro Heizkosten pro Jahr — ohne die planmäßige Erhöhung des CO₂-Preises nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG), die bis 2026 auf 55 Euro je Tonne steigen soll.

Die Wärmepumpe erzielt im Altbau realistisch eine Jahresarbeitszahl von 2,8 bis 3,2. Bei einer JAZ von 3,0 benötigt sie für dieselbe Wärme 6.000 kWh Strom. Bei 30 Cent pro kWh Strom (günstigerer Wärmepumpentarif vieler Netzbetreiber) kostet das 1.800 Euro jährlich — 200 Euro weniger als Gas. Die jährliche Ersparnis steigt mit dem CO₂-Preis: Bei 55 Euro je Tonne CO₂ und einem Emissionsfaktor von 0,2 kg CO₂ pro kWh Erdgas kommen allein 200 Euro CO₂-Mehrkosten beim Gas hinzu. Die bereinigte Mehrkosten-Ersparnis liegt damit bei rund 400 Euro pro Jahr.

Bei 9.000 Euro Eigeninvestition und 400 Euro jährlicher Betriebskosteneinsparnis ergibt sich eine Amortisationszeit von etwa 22 Jahren. Das ist lang — und wird oft als Gegenargument genutzt. Drei Faktoren verkürzen diesen Horizont jedoch erheblich: steigende Gaspreise, weitere CO₂-Preiserhöhungen und eine bessere JAZ durch moderate Sanierungsmaßnahmen.

Wann die Rechnung besser ausfällt

Die Jahresarbeitszahl ist der wichtigste Hebel. Sie hängt direkt von der Vorlauftemperatur des Heizsystems ab: Je niedriger die Vorlauftemperatur, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe. Ein Haus mit Fußbodenheizung, das mit 35 Grad Celsius Vorlauftemperatur auskommt, ermöglicht eine JAZ von 4,0 und mehr. Bei einer alten Heizkörperanlage mit 70 Grad Vorlauf sinkt die JAZ auf 2,0 oder schlechter — dann lohnt sich der Umstieg ohne vorherigen hydraulischen Abgleich oder Heizkörpertausch kaum.

Folgende Rahmenbedingungen verbessern die Wirtschaftlichkeit konkret:

  • Niedrigtemperatur-Heizsystem (Fußbodenheizung oder überdimensionierte Heizkörper)
  • Gut gedämmte Gebäudehülle (geringere Heizlast = kleinere, günstigere Anlage)
  • Günstigerer Wärmepumpenstromtarif (15 bis 25 Cent/kWh möglich)
  • Photovoltaikanlage auf dem Dach (Eigenverbrauch senkt Betriebskosten weiter)
  • Kombination mit einem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP), der weitere KfW-Förderungen erschließt

Was oft vergessen wird: die Vergleichskosten

Die 18.000 Euro für die Wärmepumpe wirken groß. Ein Gaskessel-Austausch kostet 8.000 bis 12.000 Euro — aber ohne Förderung, mit weiter steigenden Gaspreisen und mit einem Gerät, das nach dem GEG ab 2045 nicht mehr mit fossilem Gas betrieben werden darf. Wer heute einen neuen Gaskessel einbaut, kauft sich zehn bis zwanzig Jahre Betrieb und dann ein weiteres Umrüstproblem. Die Amortisationszeit der Wärmepumpe ist also nicht gegen null zu vergleichen, sondern gegen die Gesamtkosten der Alternative über denselben Zeitraum.

Was das GEG vorschreibt

Seit Januar 2024 gilt das novellierte Gebäudeenergiegesetz. Neue Heizungen müssen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Für Bestandsgebäude gibt es Übergangsfristen — die kommunale Wärmeplanung ist der entscheidende Taktgeber. Wer in einem Gebiet ohne geplanten Fernwärmeanschluss wohnt, wird mittelfristig kaum an einer Entscheidung vorbei kommen. Das ist kein Argument für Panik, aber ein Grund, die eigene Situation frühzeitig zu bewerten.

Was das HausDossier dazu beiträgt

Ob eine Wärmepumpe für ein konkretes Gebäude wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt von Baujahr, Gebäudetyp, Heizlast, vorhandener Heizfläche und Dämmstandard ab. Das HausDossier wertet amtliche Daten zu diesen Faktoren aus und zeigt, welche Ausgangsbedingungen an Ihrer Adresse vorliegen — als Grundlage für das Gespräch mit einem Energieberater oder Installateur.

IHRE ADRESSE

Ist Ihr Haus bereit für eine Wärmepumpe?

Das HausDossier analysiert auf Basis amtlicher Daten, wie gut Ihre Immobilie für eine Wärmepumpe geeignet ist — mit Einschätzung zur Heizlast, zum Baualter und zur Gebäudehülle.

Datencheck kostenlos Kein Konto nötig Vollständiger Bericht 19,99 €
WEITERLESEN