Rund 18 Millionen Gasheizungen sind in Deutschland in Betrieb. Viele davon laufen zuverlässig, und die Eigentümer stellen sich dieselbe Frage: Muss ich jetzt handeln, oder kann ich noch abwarten? Die Antwort hängt von drei Faktoren ab, die sich deutlich klarer beurteilen lassen, als die öffentliche Debatte vermuten lässt.
Was das GEG tatsächlich vorschreibt
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) verlangt nicht, dass Sie Ihre funktionierende Gasheizung ausbauen. Die 65-Prozent-Erneuerbare-Pflicht gilt erst dann, wenn eine neue Heizung eingebaut wird — also bei Defekt, Tausch oder Neubau. Eine intakte Gasheizung darf weiterbetrieben und repariert werden, solange sie läuft. Allerdings ist Reparatur nicht unbegrenzt möglich: Das GEG sieht vor, dass Gasheizungen, die bis 2044 noch im Betrieb sind, ab 2045 nicht mehr mit fossilem Erdgas betrieben werden dürfen. Das ist zwar noch rund 20 Jahre entfernt, hat aber Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeitsrechnung bei einem Neugerät.
Wer heute eine neue Gasheizung einbaut, muss sicherstellen, dass sie die 65-Prozent-Vorgabe erfüllt — etwa als Hybridheizung kombiniert mit einer Wärmepumpe, oder über einen zertifizierten Biomethangasanteil. Eine reine Gasheizung ohne Ergänzung erfüllt die Anforderung in der Regel nicht mehr.
Der CO2-Preis als schleichender Kostentreiber
Was die Politik nicht per Verbot durchsetzt, übernimmt der Preis. Der CO2-Preis auf fossile Brennstoffe lag 2024 bei 45 Euro je Tonne CO2 und ist für 2025 auf 55 Euro gestiegen. Bis 2030 ist im Rahmen des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) ein weiterer Anstieg auf bis zu 65 Euro vorgesehen — danach wird der Preis im europäischen Emissionshandel gebildet, Prognosen liegen teils bei über 100 Euro. Für Erdgas bedeutet das: Pro Kilowattstunde kommen derzeit rund 1,1 Cent CO2-Kosten hinzu. Das klingt wenig, summiert sich aber.
Konkretes Rechenbeispiel: Ein Einfamilienhaus mit einem Gasverbrauch von 18.000 kWh pro Jahr zahlt 2025 bei einem Arbeitspreis von 9 Cent/kWh rund 1.620 Euro jährlich für Erdgas. Steigt der CO2-Preis bis 2030 auf 65 Euro/t (entspricht ca. 1,3 Cent/kWh Aufschlag gegenüber 2025), kommen zusätzlich rund 36 Euro pro Jahr dazu — das ist überschaubar. Zieht der CO2-Preis auf 100 Euro/t, liegt der Aufschlag bei gut 2 Cent/kWh, also rund 360 Euro mehr pro Jahr gegenüber heute. Über einen Zeithorizont von 15 Jahren summiert sich das je nach Preisverlauf auf 2.000 bis 5.000 Euro an Mehrkosten allein durch den CO2-Preis. Diese Zahlen sind Szenarien, keine Garantien — Energiepreise bleiben schwer vorherzusagen.
Wann eine Wärmepumpe wirtschaftlich überlegen ist
Eine Wärmepumpe ist kein universeller Vorteil. Ihre Wirtschaftlichkeit hängt vom Verhältnis zwischen Strom- und Gaspreisen ab — und von der Jahresarbeitszahl (JAZ), also wie effizient das Gerät unter realen Bedingungen arbeitet. Im gut gedämmten Neubau mit Fußbodenheizung und einer JAZ von 4,0 verbraucht die Wärmepumpe für 18.000 kWh Wärme nur 4.500 kWh Strom. Bei 30 Cent/kWh Strom ergibt das 1.350 Euro — günstiger als Gas. Im schlecht gedämmten Altbau mit hohen Vorlauftemperaturen kann die JAZ auf 2,0 sinken; dann werden aus denselben 18.000 kWh Wärme 9.000 kWh Strom, also 2.700 Euro. Damit ist die Wärmepumpe teurer als Gas — trotz CO2-Preis.
Die entscheidende Kenngröße ist die Vorlauftemperatur des Heizsystems. Liegt sie bei 55 Grad oder höher, arbeitet eine Luft-Wasser-Wärmepumpe ineffizient. Liegt sie bei 35 bis 45 Grad — typisch für gut gedämmte Gebäude mit Flächenheizung oder nach einem hydraulischen Abgleich — ist die Wärmepumpe klar im Vorteil.
Welche Gebäudeeigenschaften die Entscheidung treiben
Nicht jede Immobilie eignet sich gleich gut fĂĽr den Heizungswechsel. Folgende Punkte sind ausschlaggebend:
- Dämmstandard: Ein schlecht gedämmtes Haus hat eine hohe Heizlast. Vor dem Heizungstausch ist hier oft eine Gebäudehüllensanierung wirtschaftlich sinnvoller.
- Heizkörper oder Flächenheizung: Klassische Heizkörper erfordern oft Vorlauftemperaturen um 70 Grad. Das lässt sich in manchen Fällen durch größere Heizkörper oder einen hydraulischen Abgleich verbessern.
- Baujahr und Energieausweis: Gebäude aus den 1970er und 1980er Jahren ohne nachträgliche Dämmung haben typischerweise einen Endenergiebedarf über 150 kWh/(m²·a) — da ist die Heizkörperanlage selten für niedrige Vorlauftemperaturen ausgelegt.
- Verfügbarkeit von Fernwärme: In bestimmten Versorgungsgebieten kann Fernwärme die wirtschaftlich attraktivste und technisch einfachste Lösung sein.
Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) nach BEG-Vorgaben kann helfen, die richtige Reihenfolge zu finden — ob zuerst Dämmung, zuerst Heiztausch oder beides gleichzeitig sinnvoller ist.
Was fĂĽr ein Weiterbetrieb der Gasheizung spricht
Es gibt legitime Gründe, noch nicht zu wechseln. Ist die Gasheizung weniger als zehn Jahre alt und technisch einwandfrei, ist ein sofortiger Austausch ökonomisch kaum sinnvoll — die Investitionskosten für eine Wärmepumpe liegen je nach Gebäude und Anlagentyp bei 15.000 bis 30.000 Euro brutto vor Förderung. Die Förderung über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) kann die Kosten erheblich reduzieren — der Basisförderanteil beträgt aktuell 30 Prozent, zuzüglich möglicher Boni. Diese Programme ändern sich jedoch regelmäßig; aktuelle Konditionen sind direkt bei BAFA und KfW zu prüfen.
Außerdem sollte die kommunale Wärmeplanung bekannt sein, bevor man handelt. Sie zeigt, ob an der eigenen Adresse in den nächsten Jahren Fernwärme verfügbar sein wird — eine Information, die den Investitionspfad grundlegend verändern kann.
Die Frage ist selten nur technisch
Ob man die Gasheizung weiterbetreibt oder tauscht, ist letztlich eine Abwägung aus Restnutzungsdauer der Anlage, Zustand der Gebäudehülle, Vorlauftemperatur des Heizsystems, Finanzierungsbereitschaft und Einschätzung künftiger Energiepreise. Pauschalantworten helfen dabei wenig. Was hilft, ist ein klares Bild der eigenen Immobilie: Welche Heizlast hat das Gebäude wirklich, welche Vorlauftemperaturen sind nötig, und wie ist der Dämmstandard einzuschätzen?
Das HausDossier wertet für Ihre Adresse amtliche Gebäude- und Klimadaten aus und zeigt, wie gut Ihr Haus grundsätzlich für eine Wärmepumpe geeignet ist — bevor Sie einen Handwerker beauftragen oder eine Förderanfrage stellen.
Wie gut eignet sich Ihr Haus für eine Wärmepumpe?
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