Rund 70 Prozent des Stroms, den eine WĂ€rmepumpe verbraucht, fallen tagsĂŒber an â genau dann, wenn eine Photovoltaikanlage auf dem Dach produziert. Diese zeitliche Ăberschneidung ist der Kern des sogenannten Eigenstrom-Duos. Wer beide Systeme koordiniert betreibt, kann einen erheblichen Teil des Heizstroms selbst erzeugen, statt ihn zu Netzpreisen einzukaufen.
Warum das Zusammenspiel funktioniert
Eine WĂ€rmepumpe heizt am effizientesten, wenn sie nicht auf Abruf springt, sondern ĂŒber lĂ€ngere ZeitrĂ€ume mit geringer Leistung lĂ€uft. Das lĂ€sst sich nutzen: Viele GerĂ€te bieten eine Smart-Grid-Funktion oder lassen sich ĂŒber ein Energiemanagementsystem so steuern, dass sie bevorzugt dann laufen, wenn die PV-Anlage gerade ĂŒberschĂŒssigen Strom liefert. Das Haus â oder genauer: der Pufferspeicher â wird in diesen Stunden thermisch aufgeladen. Abends und nachts sinkt der Betrieb dann entsprechend ab. Diese Lastverschiebung kostet kaum Komfort, senkt aber den Netzbezug spĂŒrbar.
Eigenverbrauch: die entscheidende Kennzahl
Der Eigenverbrauch beschreibt den Anteil des selbst erzeugten Stroms, der direkt im GebĂ€ude genutzt wird. Ohne WĂ€rmepumpe liegt dieser Wert bei einem typischen Einfamilienhaus bei 25 bis 35 Prozent. Mit WĂ€rmepumpe â und ohne aktives Lademanagement â steigt er auf 45 bis 55 Prozent. Wer zusĂ€tzlich einen Stromspeicher installiert und die WĂ€rmepumpe smart steuert, kann Eigenverbrauchsquoten von 70 bis 80 Prozent erreichen. Der Autarkiegrad, also der Anteil des Gesamtbedarfs, der durch Eigenerzeugung gedeckt wird, steigt entsprechend. Zur Einordnung: Die EinspeisevergĂŒtung nach EEG liegt seit 2024 je nach AnlagengröĂe bei 8,03 bis 13,0 Cent pro Kilowattstunde (Stand: 2025; SĂ€tze werden regelmĂ€Ăig angepasst), wĂ€hrend Haushaltsstrom je nach Vertrag zwischen 25 und 35 Cent kostet. Jede selbst genutzte Kilowattstunde spart also mehr als doppelt so viel, wie sie bei Einspeisung einbringen wĂŒrde.
Ein konkretes Rechenbeispiel
Angenommen: Ein Einfamilienhaus mit 150 mÂČ WohnflĂ€che, einer PV-Anlage mit 10 kWp auf einem Satteldach mit SĂŒdausrichtung und einer Luft-Wasser-WĂ€rmepumpe, die 4.500 kWh Strom pro Jahr verbraucht. Die PV-Anlage erzeugt in einer mitteleuropĂ€ischen Lage (Volllaststunden ca. 950) rund 9.500 kWh Jahresertrag. Ohne Koordination flieĂen davon etwa 30 Prozent in den Eigenverbrauch der WĂ€rmepumpe, also rund 1.400 kWh. Mit aktivem Energiemanagement steigt dieser Anteil auf 55 Prozent, sprich 2.100 kWh. Bei einem Strombezugspreis von 30 Cent ergibt der Unterschied: 700 kWh Ă 0,30 ⏠= 210 ⏠Ersparnis pro Jahr, die durch die Koordination allein erzielt werden â ohne Mehrkosten fĂŒr Anlage oder Speicher. Ăber 20 Jahre Anlagenlaufzeit sind das 4.200 Euro, ohne jede Preissteigerung einzurechnen.
Vorlauftemperatur entscheidet ĂŒber die Effizienz
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) einer WĂ€rmepumpe gibt an, wie viele Kilowattstunden WĂ€rme sie pro Kilowattstunde Strom erzeugt. Der Wert hĂ€ngt stark von der Vorlauftemperatur des Heizsystems ab. Bei einer FuĂbodenheizung mit 35 °C Vorlauf sind JAZ-Werte von 3,5 bis 4,5 realistisch. Bei alten Heizkörpern, die 70 °C benötigen, sinkt die JAZ auf 2,0 oder darunter â die WĂ€rmepumpe wird zum teuren Betrieb. Wer eine WĂ€rmepumpe mit PV kombinieren möchte, sollte deshalb vorab prĂŒfen, ob das Heizsystem mit niedrigen Vorlauftemperaturen auskommt. In Neubauten ist das Standard; in BestandsgebĂ€uden hĂ€ngt es von der DĂ€mmung und den verbauten Heizkörpern ab. Ein hydraulischer Abgleich kann die erforderliche Vorlauftemperatur oft um 5 bis 10 Grad senken â eine MaĂnahme, die das GEG seit 2024 fĂŒr bestimmte GebĂ€ude ohnehin vorschreibt.
Förderung: BEG und Steuerbonus
Beide Technologien werden staatlich gefördert, allerdings getrennt. FĂŒr WĂ€rmepumpen gilt das Bundesförderungsprogramm fĂŒr effiziente GebĂ€ude (BEG) mit einem Grundzuschuss von 30 Prozent ĂŒber die BAFA; bei Austausch einer alten Gasheizung kommt ein Bonus von 20 Prozentpunkten hinzu, die Gesamtförderung kann bis auf 70 Prozent steigen. FĂŒr die PV-Anlage selbst gibt es keine direkte Investitionsförderung mehr auf Bundesebene, dafĂŒr seit 2023 Umsatzsteuerbefreiung (0 % Mehrwertsteuer) beim Kauf. Speicher können ĂŒber KfW-Programm 270 zinsgĂŒnstig finanziert werden. Die genauen Förderbedingungen und -betrĂ€ge Ă€ndern sich regelmĂ€Ăig â eine aktuelle Beratung beim zustĂ€ndigen Energieberater oder direkt ĂŒber die BAFA-Website ist vor der Investition empfehlenswert.
Was vor der Investition zu klÀren ist
Bevor Sie Angebote einholen, lohnt ein Blick auf die Grundlagen des eigenen GebÀudes:
- Dach: Ausrichtung, Neigung, Verschattung und verfĂŒgbare FlĂ€che bestimmen, welche kWp-Leistung realistisch ist.
- Heizlast: Wie viel WĂ€rme braucht das GebĂ€ude bei -12 °C AuĂentemperatur? Die Heizlast bestimmt die nötige WĂ€rmepumpenleistung.
- Heizsystem: FuĂbodenheizung oder Niedertemperatur-Heizkörper erlauben niedrige Vorlauftemperaturen und damit hohe JAZ-Werte.
- DÀmmzustand: Gut gedÀmmte GebÀude haben geringere Heizlasten und profitieren stÀrker von niedrigen Vorlauftemperaturen.
- Strombedarf: Je höher der Gesamtstromverbrauch, desto besser lĂ€sst sich eine gröĂere PV-Anlage eigenverbrauchsoptimiert nutzen.
Diese Parameter lassen sich nicht pauschal beantworten â sie sind gebĂ€udespezifisch und hĂ€ngen von Baujahr, Konstruktion und Standort ab.
Wer wissen möchte, wie gut die eigene Immobilie fĂŒr die Kombination aus PV und WĂ€rmepumpe geeignet ist, braucht gebĂ€udespezifische Daten statt allgemeiner Daumenregeln. Das HausDossier wertet dafĂŒr amtliche Geodaten aus und liefert fĂŒr die konkrete Adresse eine belastbare EinschĂ€tzung â bevor ein Installateur beauftragt wird.
Wie gut passen PV und WĂ€rmepumpe zu Ihrer Immobilie?
Das HausDossier zeigt Ihnen fĂŒr Ihre Adresse das konkrete Solarpotenzial des Dachs und bewertet gleichzeitig, ob Ihr GebĂ€ude die Voraussetzungen fĂŒr eine effiziente WĂ€rmepumpe erfĂŒllt â Baualter, Heizlast und DĂ€mmzustand inklusive.
