Rund 2,5 Millionen Wohngebäude in Deutschland werden nach Schätzungen des Umweltbundesamts noch immer mit direkt-elektrischen Heizsystemen beheizt — Nachtspeicheröfen, Infrarotpaneelen oder Heizlüftern. Für viele Eigentümer sind diese Geräte ein Provisorium, das seit Jahren in Betrieb ist. Für andere sind sie eine bewusste Wahl. Ob das klug ist, hängt stark vom Einzelfall ab.
Was Stromdirektheizung überhaupt bedeutet
Stromdirektheizung wandelt elektrische Energie eins zu eins in Wärme um. Der Wirkungsgrad beträgt definitionsgemäß 100 Prozent — aus einer Kilowattstunde Strom wird eine Kilowattstunde Wärme. Klingt gut, ist aber teuer: Der Haushaltsstrompreis lag Anfang 2025 im deutschen Durchschnitt bei rund 31 bis 35 Cent pro Kilowattstunde. Eine Wärmepumpe hingegen liefert für dieselbe Strommenge je nach Jahresarbeitszahl (JAZ) zwei- bis viermal so viel Wärme. Die Effizienz ist also das entscheidende Gegenargument.
Infrarotheizungen strahlen kurzwellige Wärme ab, die Wände und Gegenstände direkt erwärmt, nicht die Luft. Das wird als angenehm empfunden und kann in gut gedämmten Räumen den Eindruck erzeugen, dass weniger Wärme nötig ist. Der physikalische Grundsatz bleibt dennoch derselbe: Eine Kilowattstunde Strom erzeugt eine Kilowattstunde Wärme.
Rechtlicher Rahmen: GEG und die Konsequenzen
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) in der Fassung von 2024 schreibt für neu eingebaute Heizsysteme vor, dass sie mindestens 65 Prozent der Wärme aus erneuerbaren Energien erzeugen müssen. Stromdirektheizungen erfüllen diese Anforderung nur dann, wenn der verwendete Strom nachweislich zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt — also etwa über einen Direktliefervertrag aus einer eigenen Photovoltaikanlage oder einem zertifizierten Ökostromvertrag. Im Bestand gilt eine Übergangsfrist, aber wer heute neu installiert oder umrüstet, muss die GEG-Anforderungen im Blick haben.
Nachtspeicheröfen mit Nachtstromtarifen — einst staatlich gefördert — sind seit Jahrzehnten nicht mehr zeitgemäß. Viele Wohngebäude aus den 1960er- und 1970er-Jahren tragen diese Altlast noch mit sich.
Rechenbeispiel: Was Infrarotheizung wirklich kostet
Ein 80-Quadratmeter-Altbau mit mäßiger Dämmung hat einen typischen Heizwärmebedarf von etwa 120 kWh pro Quadratmeter und Jahr — also rund 9.600 kWh jährlich. Bei einem Strompreis von 33 Cent/kWh entstehen Heizkosten von etwa 3.168 Euro pro Jahr. Dieselbe Wärme mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe (JAZ 3,0) herzustellen, kostet rund 1.056 Euro — also rund zwei Drittel weniger. Über zehn Jahre summiert sich die Differenz auf gut 21.000 Euro. Die Anschaffungskosten einer Wärmepumpenanlage amortisieren sich bei diesem Profil in acht bis zwölf Jahren, je nach Förderung über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) bzw. BAFA. Förderkonditionen und Strompreise ändern sich — diese Zahlen geben eine Orientierung für 2025.
Wann Stromdirektheizung dennoch sinnvoll sein kann
Es gibt tatsächlich Situationen, in denen eine direkt-elektrische Lösung rational ist:
- Sehr gut gedämmte Gebäude mit einem Heizwärmebedarf unter 30 kWh/(m²·a) — etwa ein KfW-Effizienzhaus 40 oder ein Passivhaus. Hier ist die absolute Strommenge so gering, dass die Kostenersparnis durch eine Wärmepumpe die Investition kaum rechtfertigt.
- Übergangslösungen in Renovierungsphasen, wenn eine neue Heizanlage noch nicht eingebaut werden kann und Gasanschlüsse bereits stillgelegt sind.
- Einzelne Räume oder Bäder, in denen ein gelegentlicher Wärmebedarf besteht, der mit einem zentralen System schwer zu regeln wäre.
- Ferienhäuser oder selten genutzte Objekte, bei denen die Betriebszeiten so kurz sind, dass sich eine Investition in ein aufwändigeres System nicht rechnet.
- Räume ohne vorhandene Heizflächen, etwa ein ausgebauter Dachboden, bei dem eine nachträgliche Anbindung ans Heizungsnetz unverhältnismäßig aufwändig wäre.
Die Rolle der eigenen Photovoltaikanlage
Wer eine Photovoltaikanlage besitzt und tagsüber Eigenverbrauch erzielt, kann den Eigenanteil des Stroms effektiv zu Gestehungskosten von 8 bis 12 Cent/kWh nutzen — also deutlich günstiger als Netzstrom. In diesem Fall verbessert sich die Wirtschaftlichkeit von Infrarotpaneelen erheblich, sofern die Nutzungszeiten mit der Solarproduktion übereinstimmen. Im Winter, wenn der Heizbedarf am höchsten ist, liefert eine Photovoltaikanlage in Deutschland aber im Durchschnitt nur 10 bis 15 Prozent ihrer Jahresertragsleistung. Die saisonale Deckungslücke ist das strukturelle Problem dieses Ansatzes.
Was bei der Entscheidung wirklich zählt
Bevor man sich für oder gegen eine Stromdirektheizung entscheidet, sollte man den tatsächlichen Heizwärmebedarf des Gebäudes kennen. Dieser hängt von U-Werten der Außenbauteile, der Luftdichtheit, der Gebäudegröße und der Nutzung ab. Ein Energieausweis liefert dazu eine erste Einschätzung — allerdings auf Basis von Standardwerten, nicht von gemessenen Verbräuchen. Wer die Heizlast nicht kennt, kalkuliert im Dunkeln.
Darüber hinaus gilt: Wer ein Gebäude mit schlechter Dämmung mit Strom beheizt, heizt buchstäblich zum Fenster hinaus — der Energiebedarf übersteigt jedes wirtschaftlich vertretbare Maß. Eine Gebäudehüllensanierung ist in diesem Fall die Voraussetzung, nicht die Alternative.
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