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WÄRMEPUMPE & HEIZUNG

Heizkörper oder Fußbodenheizung — geht die Wärmepumpe trotzdem?

· HausDossier Redaktion · 4 Min. Lesezeit

Rund 21 Millionen Wohngebäude in Deutschland werden heute noch mit Heizkörpern beheizt. Für viele Eigentümerinnen und Eigentümer lautet die dringlichste Frage beim Thema Wärmepumpe deshalb nicht: "Soll ich umsteigen?" — sondern: "Muss ich dafür die gesamte Heizverteilung rausreißen?" Die kurze Antwort lautet: Nein, nicht zwingend. Die längere Antwort hängt von der Vorlauftemperatur ab, die Ihr Gebäude im Auslegungsfall benötigt.

Warum die Vorlauftemperatur alles entscheidet

Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je geringer die Temperaturdifferenz zwischen der Wärmequelle (Außenluft, Erdreich) und dem Heizsystem ist. Dieser Zusammenhang spiegelt sich in der Jahresarbeitszahl (JAZ) wider: Bei einer Vorlauftemperatur von 35 °C erreicht eine Luft-Wasser-Wärmepumpe typischerweise eine JAZ von 3,5 bis 4,5. Bei 55 °C sinkt sie auf 2,0 bis 2,8 — das entspricht gut einem Drittel weniger Effizienz und damit deutlich höheren Stromkosten.

Fußbodenheizungen benötigen in der Regel Vorlauftemperaturen zwischen 30 und 40 °C. Herkömmliche Plattenheizkörper, die für einen Gaskessel ausgelegt wurden, sind hingegen oft auf 70 bis 80 °C dimensioniert. Auf diesem Niveau arbeitet eine Wärmepumpe unwirtschaftlich — und bei Luft-Wasser-Geräten nahe der technischen Grenze.

Welche Heizkörper funktionieren mit einer Wärmepumpe?

Entscheidend ist nicht die Bauform, sondern ob die Heizkörper groß genug sind, um die benötigte Wärmemenge auch bei niedrigen Vorlauftemperaturen abzugeben. Die Heizleistung eines Heizkörpers steigt mit der Temperaturdifferenz zwischen Heizmittel und Raumluft. Sinkt die Vorlauftemperatur, sinkt auch die übertragene Leistung — und der Raum wird nicht mehr warm genug.

Folgende Faktoren begünstigen den Betrieb mit bestehenden Heizkörpern:

  • Gebäude ist gut gedämmt — geringere Heizlast bedeutet niedrigere Auslegungstemperatur
  • Heizkörper sind überdimensioniert — z. B. weil damals großzügig geplant oder nachträglich Fenster getauscht wurden
  • Baujahr nach 1995 — neuere Gebäude haben häufig Niedertemperatur-Auslegungen um 55 °C
  • Kein Keller oder wenig Fläche — fehlende Räume reduzieren die Gesamtlast
  • Vorhandener hydraulischer Abgleich — gleichmäßige Wärmeverteilung ohne Überhitzung einzelner Kreise

Ein Heizungsfachbetrieb kann per Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ermitteln, welche Vorlauftemperatur Ihr Gebäude wirklich braucht — und nicht welche der alte Kessel irgendwann eingestellt hatte.

Das Rechenbeispiel: Modernisierter Altbau, Bj. 1978

Ein freistehendes Einfamilienhaus, Baujahr 1978, 150 m² Wohnfläche, Außenwände nachträglich mit 12 cm WDVS gedämmt, neue Fenster (U-Wert 1,1 W/m²K), Dach mit 18 cm Mineralwolle. Heizlast nach Dämmung: ca. 8 kW bei −12 °C Auslegungstemperatur. Der bisherige Gaskessel lief auf 70/55 °C (Vor-/Rücklauf).

Nach einer Heizlastberechnung stellt sich heraus: Mit den vorhandenen Heizkörpern (Gesamtfläche ca. 18 m²) reichen 55 °C Vorlauf aus, um alle Räume auf 20 °C zu heizen. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit 10 kW Nennleistung (Investitionskosten inkl. Installation ca. 18.000 €, Stand 2025) erreicht bei 55 °C eine JAZ von etwa 2,8. Der Jahresstrombedarf liegt bei rund 15.000 kWh (ca. 8.000 kWh Heizenergie ÷ JAZ × Korrekturfaktor). Bei 30 Ct/kWh Strompreis entstehen Heizkosten von ca. 4.500 €/Jahr. Der bisherige Gasverbrauch lag bei 18.000 kWh/Jahr (Gaspreiszunahmen seit 2021 einberechnet: ca. 0,12 €/kWh), also 2.160 € — plus CO₂-Abgabe, die nach dem Brennstoffemissionshandelsgesetz bis 2027 auf 55 €/t steigt, was weitere 180 € addiert. Mit BEG-Förderung (35 % Grundförderung plus mögliche 5 % Effizienzbonus über BAFA, Stand 2025 — Programme und Sätze können sich ändern) reduziert sich die Investition auf rund 10.800 €. Die Amortisation gegenüber dem Gaskessel liegt bei diesem Szenario bei 8 bis 12 Jahren, abhängig von der weiteren Strompreisentwicklung.

Würden dagegen nur 45 °C Vorlauf nötig sein (weil drei Heizkörper getauscht werden), stiege die JAZ auf ca. 3,5 — die Jahresstromkosten sänken auf rund 3.600 €, und die Amortisation verkürzte sich auf 5 bis 7 Jahre.

Wann lohnt es sich, einzelne Heizkörper zu tauschen?

Nicht selten genügt es, zwei oder drei "Problemheizkörper" in besonders schlecht gedämmten Räumen — Badezimmer, Dachgeschoss, Nordseite — gegen größere Modelle oder Niedertemperaturheizkörper auszutauschen. Diese kosten je nach Modell 200 bis 600 € pro Stück plus Montage. Das ist deutlich günstiger als eine vollständige Flächenheizung und kann die erforderliche Systemtemperatur um 5 bis 10 K senken. Vor jedem Tausch sollte ein hydraulischer Abgleich (nach GEG § 60b für bestimmte Gebäude verpflichtend) durchgeführt oder mit eingeplant werden — er kostet 300 bis 800 € und ist Voraussetzung für manche Fördertatbestände nach BEG.

Was das GEG seit 2024 vorschreibt

Seit dem 1. Januar 2024 gilt das novellierte Gebäudeenergiegesetz (GEG). Wer eine Heizung neu einbaut oder eine defekte Heizung ersetzt, muss grundsätzlich 65 % erneuerbare Energie einsetzen — mit gestaffelten Übergangsfristen je nach Gemeindegröße und kommunaler Wärmeplanung. Eine Wärmepumpe erfüllt diese Anforderung pauschal, sofern die Jahresarbeitszahl den Mindestwert nach Anlage 8 GEG erreicht. Dieser Mindestwert liegt für Luft-Wasser-Geräte aktuell bei JAZ ≥ 1,7, für Sole-Wasser-Geräte bei JAZ ≥ 1,2 — Werte, die in der Praxis deutlich überschritten werden. Das Gesetz erzwingt keinen Umbau der Wärmeverteilung, wohl aber eine sorgfältige Planung.

Fazit: Nicht die Heizfläche ist das Hindernis, sondern die Temperatur

Ob eine Wärmepumpe mit Ihren Heizkörpern wirtschaftlich läuft, hängt weniger davon ab, ob Heizkörper oder Fußbodenheizung eingebaut sind, als davon, ob die tatsächlich benötigte Systemtemperatur unter 55 °C liegt. Viele Gebäude, die nach 1990 saniert wurden oder von Anfang an gut gedämmt sind, erfüllen diese Voraussetzung bereits — oder können sie mit überschaubaren Einzelmaßnahmen erreichen. Ein Blick auf Baujahr, Dämmstandard und Heizkörpergröße ist der erste sinnvolle Schritt.

Einen ersten Anhaltspunkt dazu, was für Ihr Gebäude realistisch ist, liefert das HausDossier auf Basis amtlicher Daten zu Ihrer Adresse — ohne dass Sie vorab einen Handwerker beauftragen müssen.

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