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SOLAR & PHOTOVOLTAIK

Ost-West oder SĂĽd: Welche Dachausrichtung passt zu welchem Haushalt?

· HausDossier Redaktion · 4 Min. Lesezeit

Rund 85 Prozent aller in Deutschland installierten Photovoltaikanlagen sind auf Süd-, Ost- oder West-ausgerichteten Dächern montiert – und trotzdem streiten sich Eigentümer und Installateure regelmäßig darüber, welche Variante „besser" sei. Die Antwort hängt weniger vom Dach ab als von dem, was im Haus täglich passiert.

Was der Solarazimut tatsächlich bewirkt

Der Solarazimut beschreibt die horizontale Abweichung einer Dachfläche von Süden. Ein exakt nach Süden ausgerichtetes Dach hat einen Azimut von 0°, ein Ostdach von –90°, ein Westdach von +90°. Für einen typischen 10-kWp-Aufdachanlage in Mitteldeutschland (Globalstrahlung ca. 1.050 kWh/m²/Jahr) liefern Simulationen aus dem PVGIS-Tool der EU-Kommission folgende Richtwerte für den Jahresertrag:

  • SĂĽddach (0°, 35° Neigung): rund 9.800 kWh/Jahr
  • Ostdach (–90°, 35° Neigung): rund 7.600 kWh/Jahr
  • Westdach (+90°, 35° Neigung): rund 7.400 kWh/Jahr
  • Ost-West-Kombination (je 5 kWp, 35° Neigung): rund 8.700 kWh/Jahr gesamt

Das Süddach liegt also rund 13 Prozent über der Ost-West-Variante – ein echter, messbarer Unterschied. Trotzdem kann die Ost-West-Anlage die bessere Wahl sein.

Eigenverbrauch entscheidet mehr als der Maximalertrag

Ein Süddach produziert seine Energie gebündelt zwischen 11 und 14 Uhr. Wer tagsüber nicht zuhause ist, speist den Großteil dieser Mittagsproduktion ins Netz ein. Die Einspeisevergütung nach EEG 2023 liegt für neue Anlagen bis 10 kWp bei 8,11 Cent/kWh (Stand Mitte 2024; Sätze werden halbjährlich angepasst). Der eingesparte Strombezugspreis beträgt dagegen im Bundesdurchschnitt etwa 28–32 Cent/kWh. Selbst genutzter Solarstrom ist also rund dreimal so wertvoll wie eingespeister.

Eine Ost-West-Anlage verteilt die Produktion auf einen längeren Zeitraum: morgens zwischen 7 und 10 Uhr, abends zwischen 17 und 20 Uhr. Genau das sind die Stunden, in denen Berufstätige frühstücken, Waschmaschinen laufen und der Abend beginnt. Der Eigenverbrauchsanteil steigt damit typischerweise von 25–30 Prozent (Süddach, kein Speicher) auf 35–45 Prozent, ohne dass ein teurer Batteriespeicher nötig wird.

Ein konkretes Rechenbeispiel

Haushalt: Familie mit zwei Berufstätigen, Stromverbrauch 5.000 kWh/Jahr, Strombezugspreis 30 Cent/kWh, kein Speicher.

SĂĽddach 10 kWp Ost-West 10 kWp
Jahresertrag 9.800 kWh 8.700 kWh
Eigenverbrauchsquote 27 % 42 %
Eigenverbrauch 2.646 kWh 3.654 kWh
Einspeisung 7.154 kWh 5.046 kWh
Ersparnis Strombezug 794 € 1.096 €
Einspeiseerlös (8,11 ct) 580 € 409 €
Gesamtvorteil/Jahr 1.374 € 1.505 €

Die Ost-West-Variante erzielt trotz 1.100 kWh weniger Jahresertrag einen um rund 130 Euro höheren jährlichen Gesamtvorteil. Bei Systemkosten von je etwa 12.000 Euro netto ergibt sich eine Amortisationszeit von ca. 8 Jahren für Ost-West und ca. 8,7 Jahren für Süd. Kein dramatischer Unterschied – aber die Richtung ist klar. Haushalte mit hohem Eigenverbauch tagsüber (Homeoffice, Wärmepumpe) kippen die Rechnung wieder zugunsten des Süddachs.

Wann das SĂĽddach klar vorne liegt

Es gibt Konstellationen, in denen ein reines Süddach deutlich sinnvoller ist. Wer einen Stromspeicher plant, profitiert vom höheren Mittagspeak, weil er die Batterie zuverlässig füllt. Wer eine Wärmepumpe oder ein E-Auto vorwiegend mittags lädt, kann den Solarazimut direkt ausnutzen. Auch Betriebe und Gewerbetreibende mit Volllaststunden zwischen 9 und 15 Uhr — also klassische Büros, Einzelhandel, Gastronomie — holen aus einem Süddach mehr heraus als aus jeder anderen Variante. Gleiches gilt für Haushalte, die Volleinspeisung bevorzugen und keine Eigenverbrauchsoptimierung anstreben.

Wichtig: Die tatsächliche Dachneigung beeinflusst den Ertrag erheblich. Ein flaches Süddach mit 15° Neigung liefert rund 5 Prozent weniger als ein optimal geneigtes Dach mit 30–35°. Steilere Dächer über 50° verlieren wiederum an Leistung und sammeln weniger diffuse Strahlung an bedeckten Tagen.

Was Verschattung alles ĂĽberschattet

Selbst die beste Ausrichtung hilft wenig, wenn Bäume, Nachbarhäuser oder Dachgauben die Fläche beschatten. Bereits eine Verschattung von 10 Prozent der Modulfläche kann – je nach Wechselrichtertyp und Stringverschaltung – den Gesamtertrag um 20–30 Prozent senken. Moderne Moduloptimierer oder Mikrowechselrichter mindern diesen Effekt, kosten aber mehr. Bevor die Ausrichtungsfrage diskutiert wird, lohnt daher eine ehrliche Analyse der Verschattungssituation zu verschiedenen Tageszeiten und Jahreszeiten.

Förderung und aktuelle Rahmenbedingungen

Für neue Anlagen gilt seit dem Solarpaket I (2024), dass Anlagen bis 30 kWp von der Einkommensteuer auf Einnahmen befreit sind. Die BEG-Förderung über BAFA und KfW bezieht sich auf Wärmepumpen und Gebäudehülle, nicht direkt auf PV-Anlagen. KfW-Kredite (z. B. KfW 270) können die Finanzierung erleichtern. Alle Fördersätze und EEG-Vergütungen ändern sich regelmäßig; die konkreten Konditionen sollten vor einer Investitionsentscheidung bei der zuständigen Stelle abgefragt werden.


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