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WÄRMEPUMPE & HEIZUNG

Luft-Wasser oder Sole-Wasser: Welche Wärmepumpe für welches Haus?

· HausDossier Redaktion · 4 Min. Lesezeit

Rund 60 Prozent aller neu eingebauten Wärmeerzeuger in deutschen Wohngebäuden sind inzwischen Wärmepumpen — Tendenz steigend, seit das Gebäudeenergiegesetz (GEG) seit 2024 für neu eingebaute Heizungen einen Anteil von 65 Prozent erneuerbarer Energie vorschreibt. Doch hinter dem Begriff Wärmepumpe verbergen sich zwei grundlegend verschiedene Technologien mit unterschiedlichen Anforderungen ans Haus, ans Grundstück und ans Budget.

Was die Wärmequelle entscheidet

Eine Wärmepumpe entzieht einer Umgebungsquelle Wärmeenergie und hebt deren Temperaturniveau auf ein für die Heizung nutzbares Niveau. Die Quelle bestimmt den Typ: Die Luft-Wasser-Wärmepumpe nutzt die Außenluft, die Sole-Wasser-Wärmepumpe nutzt die Erdwärme über Kollektoren oder Sonden im Boden. Beide Varianten erzeugen Warmwasser für Heizung und Trinkwasser. Der entscheidende Unterschied liegt in der Effizienz: Erdreich hält das ganze Jahr über Temperaturen zwischen 8 und 12 Grad Celsius auf Tiefe, Außenluft schwankt in Deutschland zwischen minus 20 und plus 40 Grad. Je kälter die Quelle, desto mehr Strom braucht die Pumpe, um die Heiztemperatur zu erreichen.

Jahresarbeitszahl: der eigentliche Maßstab

Die Effizienz einer Wärmepumpe wird mit der Jahresarbeitszahl (JAZ) beschrieben — dem Verhältnis von erzeugter Wärme zu verbrauchtem Strom über ein ganzes Jahr. Eine JAZ von 3,5 bedeutet: Aus einer Kilowattstunde Strom werden 3,5 Kilowattstunden Wärme. Sole-Wasser-Anlagen erreichen im Einfamilienhausbereich typischerweise JAZ-Werte zwischen 4,0 und 5,0, gut installierte Luft-Wasser-Anlagen kommen auf 3,0 bis 4,0. Der Unterschied klingt klein, summiert sich aber über Jahre deutlich — vor allem, wenn der Strompreis steigt.

Rechenbeispiel: Ein Einfamilienhaus mit einem jährlichen Heizwärmebedarf von 12.000 kWh. Bei einem Strompreis von 0,32 €/kWh und einer JAZ von 3,2 (Luft-Wasser) fallen Heizstromkosten von rund 1.200 € pro Jahr an. Mit einer Sole-Wasser-Anlage und JAZ 4,5 sinken die Kosten auf etwa 853 € — eine Ersparnis von 347 € jährlich. Bei einer Mehrinvestition von typischerweise 10.000 bis 15.000 € für die Erdarbeiten einer Sole-Wasser-Anlage ergibt sich eine rein rechnerische Amortisationszeit von 29 bis 43 Jahren, wenn man allein die Betriebskosten betrachtet. Ob sich das lohnt, hängt stark von der Strompreisentwicklung und der Lebensdauer der Anlage ab.

Was das Grundstück erlaubt — oder nicht

Die Sole-Wasser-Wärmepumpe braucht Fläche oder Tiefe. Flächenkollektoren werden horizontal in etwa 1,5 Metern Tiefe verlegt und benötigen je nach Heizlast 200 bis 400 Quadratmeter unversiegelter Grundstücksfläche — also deutlich mehr, als viele Stadtgrundstücke bieten. Tiefensonden reichen 80 bis 150 Meter in den Boden und brauchen wenig Platz, erfordern aber eine Bohrung, die genehmigungspflichtig ist und von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt wird. Grundwasserschutzzonen, Altlastenverdacht oder bestimmte Bodentypen können eine Bohrung ganz ausschließen. Die Luft-Wasser-Wärmepumpe braucht dagegen nur einen geeigneten Aufstellort im Freien — entweder als Außengerät oder als Splitanlage — und ist damit auf nahezu jedem Grundstück realisierbar.

Folgende Punkte sprechen grundsätzlich für oder gegen einen Typ:

  • Luft-Wasser geeignet: kleines Grundstück, Stadtlage, keine Bohrgenehmigung, schneller Einbau gewünscht
  • Sole-Wasser sinnvoll: großes Grundstück oder Tiefenbohrung möglich, sehr kalte Klimaregion, hohe Laufleistung erwartet
  • Sole-Wasser eher ungeeignet: Grundwasserschutzgebiet, Grundstück versiegelt, Böden mit schlechter Wärmeleitfähigkeit
  • Luft-Wasser mit Einschränkung: Nachbarschaftsschutz beachten (Schallemissionen, TA Lärm), Aufstellort nicht beschattet

Vorlauftemperatur und Heizsystem: die entscheidende Nebenbedingung

Die beste Wärmepumpe verpufft ihren Effizienzvorteil, wenn das Heizsystem hohe Vorlauftemperaturen verlangt. Altbauten mit Heizkörpern aus den 1970er-Jahren sind oft auf 70 bis 75 Grad Vorlauf ausgelegt. Wärmepumpen arbeiten wirtschaftlich bei maximal 45 bis 55 Grad; jedes Grad mehr kostet messbar JAZ-Punkte. Fußbodenheizungen oder großflächige Niedertemperaturheizkörper, die mit 35 bis 40 Grad auskommen, sind die ideale Ergänzung. Wer seinen Altbau auf eine Wärmepumpe umstellt, ohne das Heizsystem anzupassen, riskiert entweder Komfortverlust oder hohe Betriebskosten. Ein hydraulischer Abgleich ist in jedem Fall Pflicht und nach GEG § 60 auch für Bestandsgebäude vorgeschrieben, sobald eine neue Heizung eingebaut wird.

Förderung: BEG, BAFA und was aktuell gilt

Beide Varianten sind förderfähig. Über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), abgewickelt durch das BAFA, werden Wärmepumpen mit einer Grundförderung von 30 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschusst. Wer einen Einkommensbonus von 30 Prozent oder den Klimageschwindigkeitsbonus von 20 Prozent kombinieren kann, kommt auf bis zu 70 Prozent Förderung. Sole-Wasser-Anlagen werden aufgrund der höheren Systemeffizienz im BEG besser bewertet, wenn die JAZ-Anforderungen erfüllt sind. Förderbeträge und Bonuskonditionen ändern sich regelmäßig — aktuelle und verbindliche Angaben finden Sie direkt beim BAFA oder bei der KfW. Für die steuerliche Seite: Handwerkerkosten für den Einbau sind nach § 35a EStG bis zu 1.200 Euro jährlich absetzbar, falls keine direkte Förderung beantragt wird.

Was das HausDossier zur Entscheidung beiträgt

Ob Luft-Wasser oder Sole-Wasser die bessere Wahl ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es hängt vom Grundstück, vom Gebäude, vom Klima am Standort und vom vorhandenen Heizsystem ab. Amtliche Daten — Flurstücksgröße, Versiegelungsgrad, Baualtersklasse, Klimadaten — können die Vorentscheidung erheblich schärfen, bevor ein Energieberater beauftragt wird. Das HausDossier bereitet genau diese Grundlagendaten für Ihre Adresse auf, sodass Sie mit konkreten Ausgangswerten ins Beratungsgespräch gehen können.

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