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Garten und Versiegelung: RegenwassergebĂĽhr und Mikroklima

· HausDossier Redaktion · 4 Min. Lesezeit

Rund 80 Euro pro Jahr zahlt ein typischer Einfamilienhausbesitzer in einer deutschen Mittelstadt allein für die Ableitung von Regenwasser – und viele wissen nicht einmal, dass diese Gebühr existiert. Der Grund liegt unter ihren Füßen: gepflasterte Einfahrten, Betonterrassen, Carports mit undurchlässigem Untergrund. Sobald Niederschlag nicht mehr versickern kann, muss er irgendwohin – und das kostet.

Was die RegenwassergebĂĽhr mit Ihrem GrundstĂĽck zu tun hat

Seit den 1990er Jahren haben die meisten deutschen Kommunen ihre Abwassergebühren aufgespalten: Die Schmutzwassergebühr richtet sich nach dem Frischwasserverbrauch, die Niederschlagswassergebühr nach der versiegelten Fläche des Grundstücks. Rechtsgrundlage sind die jeweiligen Kommunalabgabengesetze der Länder, nicht ein einheitliches Bundesgesetz. Das bedeutet: Gebührensätze und Berechnungsmodelle unterscheiden sich erheblich – von unter einem Euro je Quadratmeter und Jahr in ländlichen Regionen bis über 2,50 Euro in Großstädten mit überlasteter Kanalisation.

Maßgeblich ist die befestigte Fläche, die tatsächlich Wasser in die Kanalisation oder in ein öffentliches Gewässer ableitet. Dazu zählen nicht nur das Dach, sondern auch Einfahrten aus Asphalt oder Beton, Terrassen mit fugenlosem Belag, Wege und überdachte Stellflächen. Rasen, begrünte Dächer und wasserdurchlässiges Pflaster werden in vielen Satzungen teilweise oder vollständig angerechnet.

Ein konkretes Rechenbeispiel

Ein Grundstück in einer deutschen Stadt hat 600 Quadratmeter Gesamtfläche. Davon sind 90 Quadratmeter Dach, 40 Quadratmeter Betoneinfahrt und 20 Quadratmeter Terrassenplatten vollständig versiegelt – zusammen 150 Quadratmeter. Der kommunale Gebührensatz liegt bei 1,60 Euro je Quadratmeter und Jahr. Die jährliche Niederschlagswassergebühr beträgt damit 240 Euro.

Würde die Einfahrt (40 m²) gegen wasserdurchlässiges Pflaster oder Schotterrasen ausgetauscht und die Terrasse um 15 Quadratmeter mit Fugenrasen ergänzt, sinkt die anrechenbare Fläche auf rund 95 Quadratmeter. Die Gebühr fiele auf 152 Euro pro Jahr – eine Ersparnis von 88 Euro. Bei typischen Umrüstungskosten von 3.000 bis 6.000 Euro für eine 40-Quadratmeter-Einfahrt liegt die rechnerische Amortisation zwischen 34 und 68 Jahren. Viele Kommunen gewähren jedoch Zuschüsse für Entsiegelungsmaßnahmen, die die Wirtschaftlichkeit verbessern. Die genauen Programme sollten beim zuständigen Tiefbau- oder Umweltamt erfragt werden, da sie sich regelmäßig ändern.

Mikroklima: der weniger sichtbare Effekt

Versiegelte Flächen heizen sich im Sommer deutlich stärker auf als Vegetation oder offener Boden. Asphalt und dunkles Pflaster erreichen an Hochsommertagen Oberflächentemperaturen von 50 bis 70 Grad Celsius. Das beeinflusst das direkte Wohnumfeld spürbar: Schlafzimmer, die an eine versiegelte Süd- oder Westseite angrenzen, bleiben auch nachts wärmer. Klimastudien des Deutschen Wetterdienstes haben gezeigt, dass dicht besiedelte und stark versiegelte Stadtquartiere im Jahresmittel 2 bis 4 Kelvin wärmer sind als das Umland – ein Effekt, der unter dem Begriff städtische Wärmeinsel bekannt ist.

Für Eigentümer hat das praktische Konsequenzen. Wer in einer solchen Lage lebt, hat im Sommer höhere Kühlbedarfe – und damit potenziell höhere Energiekosten. Gleichzeitig sinkt an heißen Tagen die Aufenthaltsqualität im Freien erheblich. Bäume, Stauden und offene Bodenbeläge kühlen durch Verdunstung, beschatten und erzeugen eine messbar angenehme Temperaturpufferung im direkten Nahbereich.

Was beim GrundstĂĽckskauf zu prĂĽfen ist

Wer ein GrundstĂĽck oder ein bestehendes Haus kauft, sollte den Versiegelungsgrad frĂĽhzeitig ermitteln. Relevante Informationen liefern:

  • Die Grundflächenzahl (GRZ) im Bebauungsplan, die die maximal zulässige versiegelte Grundfläche als Verhältnis zur GrundstĂĽcksgröße regelt
  • Amtliche Liegenschaftskarten (ALKIS), aus denen befestigte Flächen teils direkt ablesbar sind
  • Die aktuelle Abwassersatzung der Gemeinde, die GebĂĽhrensätze und Anrechnungsregeln enthält
  • Das NiederschlagsgebĂĽhren-Bescheid des VoreigentĂĽmers – dieser verrät die tatsächlich veranlagte Fläche

Ein hoher Versiegelungsgrad bedeutet nicht zwingend ein schlechtes Grundstück, kann aber laufende Kosten und Aufwand für Umgestaltung bedeuten. Die GRZ-Obergrenzen im Bebauungsplan begrenzen übrigens auch zukünftige Erweiterungen des Gebäudes oder befestigter Flächen.

Entsiegelung: Was sich verändert und was bleibt

Entsiegelung ist kein Allheilmittel, aber eine wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Option in vielen Fällen. Versickerungsfähige Pflastersteine, Rasengittersteine, Kies oder offene Schotterbeläge leiten Regenwasser in den Untergrund statt in die Kanalisation. Der Bodentyp des Grundstücks entscheidet, wie gut das funktioniert: Sandboden versickert schnell, Tonboden kaum. Entsprechende Angaben finden sich in Bodeninformationssystemen der Bundesländer. Eine Entsiegelung sollte daher immer mit einer Versickerungsprüfung verbunden sein – sonst entsteht Staunässe.

Für Neubauten und Sanierungen verlangen manche Bundesländer und Gemeinden bereits verbindlich versickerungsfähige Flächen oder begrünte Dächer. Bayern und Baden-Württemberg haben entsprechende Regelungen in ihre Gemeindeordnungen oder Bauordnungsrechte aufgenommen. Diese Vorgaben entwickeln sich weiter, ein Blick in aktuelle Bebauungspläne lohnt sich vor jeder Baumaßnahme.


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