HausDossier
ZurĂĽck zum Ratgeber
SOLAR & PHOTOVOLTAIK

Solar mieten oder kaufen? Pacht-Modelle im Vergleich

· HausDossier Redaktion · 4 Min. Lesezeit

Wer heute eine Solaranlage auf seinem Dach installieren lassen will, bekommt nicht nur ein Angebot zum Kauf. Immer häufiger stehen daneben Modelle, bei denen der Anbieter Eigentümer der Anlage bleibt und der Hauseigentümer zahlt monatlich — für Strom, für die Nutzung der Module oder für beides zugleich. Der Markt hat sich seit 2020 erheblich ausdifferenziert, und die Unterschiede zwischen den Modellen sind größer, als die Bezeichnungen vermuten lassen.

Was genau ist ein Pacht- oder Mietmodell?

Beim klassischen Solarkauf erwirbt der Hauseigentümer die Anlage vollständig: Er zahlt einmalig, profitiert von Förderungen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und der KfW, trägt aber auch Wartungskosten und das Ausfallrisiko selbst. Ein Pacht- oder Mietmodell dreht das Risiko- und Eigentumsmodell um. Der Anbieter — oft als Contractor bezeichnet — installiert die Anlage auf fremdem Dach, behält das Eigentum und stellt dem Hauseigentümer den erzeugten Strom zu einem vertraglich fixierten Preis zur Verfügung. Laufzeiten von 15 bis 25 Jahren sind branchenüblich. Das klingt zunächst nach einer bequemen Lösung ohne Kapitaleinsatz — der Teufel steckt aber in den Vertragsdetails.

Die drei gängigen Modelle

Auf dem deutschen Markt haben sich im Wesentlichen drei Varianten etabliert:

  • Solarkauf auf Kredit: EigentĂĽmerwechsel sofort, Finanzierung ĂĽber Bankkredit oder KfW-Programm (z. B. KfW 270). Volle Kontrolle, voller Förderungszugang, volle Rendite — und volle Verantwortung fĂĽr Wartung und Versicherung.
  • Solarcontracting / Dachpacht: Der Contractor installiert, betreibt und wartet die Anlage. Der HauseigentĂĽmer bezieht Strom zu einem fixen oder indexierten Preis, zahlt aber keine Anschaffungskosten. Variante: reines Dachpachtmodell, bei dem der Anbieter die EinspeisevergĂĽtung kassiert und der HauseigentĂĽmer eine geringe Pacht erhält — das ist eher fĂĽr Gewerbedächer relevant.
  • Mietkauf (Leasing mit Kaufoption): Monatliche Raten ĂĽber eine Festlaufzeit, am Ende Ăśbergang ins Eigentum zu einem Restwert. Liegt rechtlich zwischen Kauf und Miete; gefördert werden kann diese Variante je nach Programmgestaltung nicht immer ĂĽber BEG oder KfW — vor Vertragsabschluss prĂĽfen.

Was Contracting-Verträge tatsächlich kosten

Der wesentliche Nachteil von Contracting-Modellen ist struktureller Natur: Der Contractor muss seinerseits Gewinn erzielen, was bedeutet, dass der angebotene Solarstrompreis über den reinen Erzeugungskosten einer eigenen Anlage liegt. Typisch sind Vertragspreise zwischen 0,10 und 0,18 €/kWh für den erzeugten Solarstrom (Stand 2024/2025; Preise können sich verändern). Der Haushaltsstrompreis liegt derzeit bei rund 0,28 bis 0,35 €/kWh, sodass der Contractor-Strom trotzdem günstiger erscheint — solange der Börsenstrompreis nicht dauerhaft fällt.

Hinzu kommt eine Klausel, die viele Verträge enthalten: eine jährliche Preisanpassung gekoppelt an den Verbraucherpreisindex oder einen energiespezifischen Index. Was im Jahr eins günstig klingt, kann nach zehn Jahren spürbar teurer sein.

Ein konkretes Rechenbeispiel

Ausgangslage: Einfamilienhaus in Süddeutschland, geeignete Südausrichtung, 10 kWp-Anlage. Jahresertrag laut PVGIS-Schätzung: ca. 9.800 kWh. Eigenverbrauchsquote ohne Speicher: 30 Prozent, also rund 2.940 kWh direkt genutzt.

Kauf: Anschaffungskosten 14.000 € (nach Marktpreiserhebungen 2024 realistisch für 10 kWp inkl. Installation). Keine BEG-Förderung für reine PV, aber Mehrwertsteuerbefreiung seit 2023 (§ 12 Abs. 3 UStG). Einspeisevergütung für 6.860 kWh Überschuss: 6.860 × 0,0815 €/kWh (EEG-Satz für Anlagen ≤ 10 kWp, Wert gilt für Inbetriebnahme 2025 — EEG-Sätze werden jährlich abgesenkt) = ca. 559 €/Jahr. Eigenverbrauchsersparnis: 2.940 × 0,31 €/kWh = ca. 911 €/Jahr. Gesamtnutzen Jahr 1: 1.470 €. Amortisation: ca. 9,5 Jahre. Danach läuft die Anlage noch 10–15 Jahre nahezu kostenfrei.

Contracting: Monatliche Grundgebühr 15 € plus Strombezug zu 0,14 €/kWh für die 2.940 kWh Eigenverbrauch = 411 € + 180 € = 591 €/Jahr. Jahresersparnis gegenüber Netzbezug (2.940 × 0,31 €) = 911 €. Tatsächliche Nettoeinsparung: 320 €/Jahr. Nach 20 Vertragsjahren zahlt der Hauseigentümer insgesamt rund 11.820 € — ohne am Ende Eigentümer der Anlage zu sein. Der Kauf hätte sich nach knapp 10 Jahren gerechnet und danach noch rund 10 Jahre Ertrag geliefert.

Wann ein Contracting-Modell trotzdem sinnvoll ist

Die Rechnung oben spricht klar für den Kauf — sofern das Kapital vorhanden oder finanzierbar ist. Contracting hat dennoch legitime Einsatzbereiche. Wer kein Eigenkapital einsetzen kann oder will, kein Risiko für Wartung und Wechselrichtertausch tragen möchte und Planungssicherheit bei den Energiekosten schätzt, erhält mit einem seriösen Contracting-Vertrag zumindest eine verlässliche Teilautarkie. Auch bei Mietobjekten, bei denen der Eigentümer die Anlage nicht selbst nutzt, können Dachpachtmodelle eine Option sein. Entscheidend ist die Vertragsprüfung: Gibt es ein Sonderkündigungsrecht beim Hausverkauf? Was passiert bei Dachsanierung? Wer haftet für Schäden an der Gebäudehülle?

Worauf Sie vor der Entscheidung achten sollten

Bevor Sie ein konkretes Angebot vergleichen, lohnt es sich, einige grundlegende Fragen zu klären:

  • Wie hoch ist der tatsächliche Jahresertrag an Ihrer Adresse, und welche Ausrichtung und Verschattung hat Ihr Dach?
  • Wie hoch ist Ihr Eigenverbrauchsanteil — steigt er mit einer Wärmepumpe oder einem Elektroauto deutlich an?
  • Wie lange planen Sie, in der Immobilie zu bleiben? Ein 20-Jahres-Vertrag kann bei einem geplanten Verkauf zum Problem werden.
  • Welche Fördermittel sind fĂĽr Ihren konkreten Fall zugänglich? BEG-Programme und KfW-Konditionen ändern sich regelmäßig (Stand: Mitte 2025).
  • Ist die Dachstatik und -fläche fĂĽr die geplante Leistung geeignet?

Die Antworten auf diese Fragen bestimmen, welches Modell wirtschaftlich überlegen ist — und ob eine Anlage grundsätzlich lohnt.

Wer seine Entscheidungsgrundlage mit objektiven Gebäudedaten untermauern möchte, bevor er Angebote einholt oder Verträge vergleicht, findet im HausDossier eine adressgenaue Auswertung des Solarpotenzials auf Basis amtlicher Geodaten.

IHRE ADRESSE

Was trägt Ihr Dach wirklich zur Solaranlage bei?

Das HausDossier analysiert das Solarpotenzial Ihrer genauen Adresse auf Basis amtlicher Geodaten — Dachausrichtung, Globalstrahlung und Verschattung inklusive. So wissen Sie vor jedem Gespräch mit einem Anbieter, ob sich Kauf oder Pacht für Ihr Gebäude überhaupt lohnen.

Datencheck kostenlos Kein Konto nötig Vollständiger Bericht 19,99 €
WEITERLESEN