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SOLAR & PHOTOVOLTAIK

Volleinspeisung oder Eigenverbrauch — was ist sinnvoller?

· HausDossier Redaktion · 3 Min. Lesezeit

8,11 Cent pro Kilowattstunde — so viel bekommen Betreiber einer neuen Photovoltaikanlage bis 10 kWp seit dem EEG 2023 für jede eingespeiste Kilowattstunde (Stand Anfang 2025, die Vergütungssätze sinken halbjährlich). Der Haushaltsstrompreis liegt gleichzeitig häufig zwischen 28 und 35 Cent. Diese Lücke ist der Kern der Eigenverbrauchsdebatte.

Was bedeuten Volleinspeisung und Eigenverbrauch ĂĽberhaupt?

Bei der Volleinspeisung wird der gesamte erzeugte Strom in das öffentliche Netz eingespeist. Der Betreiber bezieht seinen Haushaltsstrom weiterhin vollständig aus dem Netz. Die Anlage erzielt damit eine planbare, gesetzlich garantierte Vergütung über 20 Jahre gemäß EEG — unabhängig vom Verbrauchsprofil des Haushalts. Beim Eigenverbrauchsmodell hingegen wird der selbst erzeugte Strom so weit wie möglich direkt im Gebäude genutzt; nur der Überschuss fließt ins Netz und wird vergütet.

Wann hat Volleinspeisung noch Sinn?

Volleinspeisung war wirtschaftlich attraktiv, solange die Einspeisevergütung deutlich über dem Bezugspreis lag. Das war bis etwa 2012 der Fall, als Vergütungssätze von 20 Cent und mehr üblich waren. Heute ist dieses Verhältnis umgekehrt. Volleinspeisung kann jedoch für Besitzer geeignet sein, die tagsüber kaum zu Hause sind, kein Budget für Batteriespeicher haben und eine möglichst einfache, wartungsarme Lösung suchen. Auch bei gewerblichen Objekten mit sehr ungleichmäßigem Lastprofil lässt sich die Frage nicht pauschal beantworten.

Das Rechenbeispiel: Eigenverbrauch gegen Einspeisung

Ein typisches Einfamilienhaus in Süddeutschland installiert eine 10-kWp-Anlage. Der durchschnittliche Jahresertrag liegt laut PVGIS bei rund 1.000 Volllaststunden, also etwa 10.000 kWh pro Jahr. Ohne Speicher lassen sich erfahrungsgemäß rund 30 % des Ertrags direkt selbst verbrauchen, also 3.000 kWh.

  • Volleinspeisung: 10.000 kWh Ă— 8,11 Ct = 811 € pro Jahr
  • Eigenverbrauch ohne Speicher: 3.000 kWh Ă— 30 Ct (Bezugspreis) = 900 € Ersparnis + 7.000 kWh Ă— 8,11 Ct = 568 € VergĂĽtung = 1.468 € pro Jahr
  • Eigenverbrauch mit 10-kWh-Speicher: Eigenverbrauchsanteil steigt auf ca. 60 %, also 6.000 kWh Ă— 30 Ct = 1.800 € + 4.000 kWh Ă— 8,11 Ct = 324 € = 2.124 € pro Jahr

Der Speicher kostet heute je nach Modell zwischen 8.000 und 14.000 Euro. Bei einem Mehrertrag von rund 656 Euro gegenüber der speicherlosen Variante ergibt sich eine Amortisationszeit von 12 bis 21 Jahren — und damit liegt man schon nahe an der typischen Lebensdauer eines Lithium-Ionen-Speichers. Der Eigenverbrauch ohne Speicher dagegen amortisiert sich gegenüber der Volleinspeisung sofort, ohne zusätzliche Investition.

Eigenverbrauchsquote: Was sie beeinflusst

Die erreichbare Eigenverbrauchsquote hängt vor allem von drei Faktoren ab:

  • Haushaltsprofil: Familien mit tagsĂĽber zu Hause lebenden Personen, Homeoffice oder Elektroauto erreichen ohne Speicher leicht 40–50 %.
  • Anlagengröße: Eine ĂĽberproportional groĂźe Anlage erzeugt mittags viel Ăśberschuss, den auch ein groĂźer Speicher nicht vollständig aufnehmen kann.
  • Wärmepumpe: Wer eine Wärmepumpe betreibt und diese mit Solarstrom steuert (Smart-Meter-Kopplung), kann den Eigenverbrauch erheblich steigern, ohne zwingend einen Batteriespeicher zu benötigen.

Förderung und steuerliche Rahmenbedingungen

Seit dem Jahressteuergesetz 2022 sind Photovoltaikanlagen bis 30 kWp auf Wohngebäuden von der Einkommensteuer befreit — sowohl die Einnahmen aus der Einspeisevergütung als auch der Eigenverbrauch. Das vereinfacht die Berechnung, weil der steuerliche Vorteil des Eigenverbrauchs entfällt, aber auch kein Aufwand für die Gewinnermittlung entsteht. KfW-Förderkredite (etwa über das Programm 270) und in manchen Bundesländern zusätzliche Speicherförderungen können die Wirtschaftlichkeit beeinflussen — diese Programme ändern sich regelmäßig, daher lohnt sich eine aktuelle Prüfung vor Vertragsschluss.

Was vor der Entscheidung geklärt sein sollte

Bevor die Frage „Speicher ja oder nein" gestellt wird, sollte das Fundament stimmen: Wie viel Fläche mit welcher Ausrichtung steht tatsächlich zur Verfügung? Welchen Jahresertrag kann das konkrete Dach realistisch leisten — unter Berücksichtigung von Verschattung, Dachneigung und Globalstrahlung am Standort? Diese Zahlen variieren je nach Gebäude und Lage erheblich. Ein Haus in München mit 1.200 kWh/m²/Jahr Globalstrahlung erzeugt spürbar mehr als ein vergleichbares Objekt in Hamburg mit rund 1.000 kWh/m²/Jahr.

Das HausDossier wertet für Ihre Adresse amtliche Geobasisdaten aus — darunter die Dachgeometrie aus dem 3D-Gebäudemodell (LoD2) sowie Strahlungsdaten — und gibt Ihnen eine standortgenaue Einschätzung des Solarpotenzials, bevor Sie mit einem Installateur sprechen.

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