Wer auf seine Stromrechnung schaut, sieht meist nur eine Zahl: den Arbeitspreis pro Kilowattstunde, irgendwo zwischen 30 und 40 Cent. Doch diese Kilowattstunde besteht aus mehreren Bausteinen, von denen der eigentliche Strom nur einer ist. Wer die Aufteilung kennt, versteht zwei Dinge: warum die Preise schwanken — und warum selbst erzeugter Strom so attraktiv ist.
Die drei großen Blöcke
Vereinfacht setzt sich der Haushaltsstrompreis aus drei Teilen zusammen:
- Beschaffung und Vertrieb (rund ein Drittel): der eigentliche Strom an der Börse plus die Marge des Versorgers. Dieser Teil schwankt am stärksten und ist der Grund für die Preissprünge der vergangenen Jahre.
- Netzentgelte (rund ein Viertel bis Drittel): die Gebühr für den Transport über Höchst-, Hoch-, Mittel- und Niederspannungsnetze. Sie unterscheidet sich regional teils erheblich und steigt mit dem Netzausbau.
- Steuern, Abgaben und Umlagen (der Rest): Stromsteuer, Konzessionsabgabe, diverse Umlagen — und obendrauf die Mehrwertsteuer auf alles.
Warum die Mehrwertsteuer ein Verstärker ist
Ein oft übersehener Punkt: Die Mehrwertsteuer von 19 Prozent wird auf den gesamten Bruttopreis erhoben — also auch auf Netzentgelte, Steuern und Umlagen. Der Staat besteuert damit gewissermaßen seine eigenen Abgaben. Das ist mit ein Grund, warum Strom in Deutschland im internationalen Vergleich teuer ist.
Was sich in den letzten Jahren geändert hat
Mit dem Wegfall der EEG-Umlage 2022 ist ein früher prominenter Posten verschwunden — die Förderung der Erneuerbaren wird seither aus dem Bundeshaushalt finanziert. Gleichzeitig sind die Netzentgelte gestiegen, weil der Umbau der Netze Geld kostet. Unterm Strich blieb der Preis hoch, nur die Zusammensetzung hat sich verschoben.
Warum Eigenstrom so viel wert ist
Hier liegt der entscheidende Hebel für jeden, der über Photovoltaik nachdenkt. Selbst erzeugter und sofort verbrauchter Solarstrom umgeht alle diese Bausteine: keine Beschaffung, keine Netzentgelte, keine Stromsteuer, keine Mehrwertsteuer auf den Bezug. Jede selbst genutzte Kilowattstunde ist deshalb 30 bis 40 Cent wert — während für eingespeisten Strom nur wenige Cent Einspeisevergütung fließen.
Ein Rechenbeispiel
Ein Haushalt mit 4.500 kWh Jahresverbrauch zahlt bei 36 Cent rund 1.620 Euro im Jahr. Deckt eine PV-Anlage davon 40 Prozent durch Eigenverbrauch, sind das 1.800 kWh × 36 Cent = rund 650 Euro Ersparnis — Jahr für Jahr, steuerfrei und unabhängig von künftigen Preissteigerungen. Genau diese Unabhängigkeit ist der eigentliche Wert, nicht die Einspeisevergütung.
Fazit
Der Strompreis ist kein Monolith, sondern ein Bündel aus Beschaffung, Netzentgelten und Abgaben — mit der Mehrwertsteuer als Verstärker obendrauf. Wer eigenen Strom erzeugt und selbst nutzt, spart all diese Bestandteile auf einmal. Wie groß dieser Hebel für Ihr Haus ist, hängt vom Solarpotenzial Ihres Daches ab.
Wie viel Netzstrom könnten Sie ersetzen?
Je teurer die Kilowattstunde, desto wertvoller jede selbst erzeugte. Das HausDossier schätzt das Solarpotenzial Ihres Daches — und damit, wie viel teuren Netzstrom Sie ersetzen könnten.
