„Fast die Hälfte unseres Stroms ist erneuerbar" — solche Schlagzeilen liest man oft, und sie stimmen sogar. Trotzdem entsteht dabei ein Missverständnis, denn Strom ist nur ein Teil unseres Energieverbrauchs. Wer die Energiewende verstehen will, muss drei Bereiche auseinanderhalten.
Strom: die Erfolgsgeschichte
Beim Stromverbrauch ist Deutschland weit gekommen. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Bruttostromerzeugung liegt inzwischen bei deutlich über der Hälfte — getragen vor allem von Windkraft an Land und auf See sowie Photovoltaik. An sonnigen, windigen Tagen decken Erneuerbare zeitweise nahezu den gesamten Bedarf. Strom ist damit der Bereich, in dem die Energiewende am sichtbarsten gelungen ist.
Wärme: der schlafende Riese
Anders sieht es bei der Wärme aus — und Wärme macht mehr als die Hälfte des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland aus. Hier liegt der erneuerbare Anteil erst im niedrigen bis mittleren zweistelligen Prozentbereich. Der Großteil der Gebäude wird weiterhin mit Erdgas und Heizöl beheizt. Genau deshalb richtet sich die Politik mit Heizungsgesetz, kommunaler Wärmeplanung und Förderprogrammen so stark auf die Gebäudewärme — hier ist der Hebel am größten und am wenigsten gehoben.
Verkehr: das Sorgenkind
Im Verkehr ist der erneuerbare Anteil am kleinsten. Trotz wachsender Zahl an Elektroautos dominiert noch der Verbrennungsmotor. Erst die Verbindung aus grünem Strom und Elektromobilität bringt hier Bewegung — weshalb das eigene E-Auto, mit Solarstrom geladen, gleich zwei Sektoren betrifft.
Warum „Primärenergie" die ehrlichere Zahl ist
Wer den Gesamtfortschritt messen will, schaut auf den Anteil am gesamten Endenergie- oder Primärenergieverbrauch — und der liegt quer über alle Sektoren erst bei rund einem Fünftel bis Viertel. Das relativiert die Strom-Schlagzeilen: Wir sind beim Strom weit, bei Wärme und Verkehr noch am Anfang. Das ist keine schlechte Nachricht, sondern zeigt, wo die größten Chancen liegen.
Was das fĂĽr EigentĂĽmer bedeutet
Drei Entwicklungen sind absehbar und fĂĽr jede Heizungs- oder Solarentscheidung relevant:
- Der Strommix wird grüner. Damit verbessert sich die Klimabilanz jeder strombetriebenen Wärmepumpe von selbst, Jahr für Jahr.
- Fossiles Heizen wird teurer. Der CO₂-Preis auf Gas und Öl steigt planmäßig und geht ab 2027 in den europäischen Emissionshandel über.
- Die Gebäudewärme rückt ins Zentrum. Förderung und gesetzliche Anforderungen konzentrieren sich genau dort, wo Sie als Eigentümer Entscheidungen treffen.
Fazit
Deutschland ist beim grünen Strom erstaunlich weit, bei Wärme und Verkehr noch lange nicht am Ziel. Für Hausbesitzer heißt das: Die Richtung ist klar, und sie verschiebt die Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpe und Photovoltaik tendenziell zu deren Gunsten. Wer heute entscheidet, sollte diese Dynamik mitdenken — am besten auf Basis der konkreten Zahlen des eigenen Hauses.
Was bedeutet die Energiewende fĂĽr Ihr Haus?
Steigende COâ‚‚-Preise und ein grĂĽnerer Strommix verschieben die Wirtschaftlichkeit von Heizung und Solar. Das HausDossier rechnet vor, was das konkret fĂĽr Ihre Immobilie heiĂźt.
